Der Zwiespalt

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02-10-20 07:57:00,

Am vergangenen Freitag besuchte ich die Fridays-for-Future-Demonstration hier in Aschaffenburg. Sie rief gemischte Gefühle hervor. Der Klimawandel bedroht unsere gesamte Lebensgrundlage, doch es werden die jungen Menschen sein, die damit so richtig zu kämpfen haben. Bei Corona ist es andersherum: Eine gefährliche Erkrankung droht fast ausschließlich den Alten und Vorbelasteten. Der Klimawandel berührt die Frage, wie wir zukünftig überhaupt leben, die Corona-Politik die Frage, wie wir heute zusammenleben.

Die erste Frage ist wohl von größerer Bedeutung. Aber nur, weil eine Sorge kleiner ist als die andere, bedeutet das nicht, dass diese Sorge nicht rechtens wäre. Beide Sorgen sind legitim.

Der letzte Freitag war ein verhangener, regnerischer Tag. Ungefähr 250 Menschen hatten sich in Aschaffenburg versammelt – kein Vergleich zu den 2.500, die im letzten Jahr singend durch die Straßen zogen. Die Grundstimmung damals war aufgeschlossen und versöhnlich, wie ich in einem Artikel beschrieb. Dieses Jahr war der Platz, auf dem die Demonstration starten sollte, eingezäunt.

Wer zur Demo dazugehöre, hieß es über die Megaphone, der solle sich innerhalb der Grenzen aufhalten. Sinnbildlich eigentlich für das, was während dieser Krise in der Gesellschaft geschieht. Der Platz selbst war fein säuberlich aufgeteilt. Im Abstand von 1,5 Metern war jeweils ein großes X auf den Boden gezeichnet worden. Wo man sich auf einer Demo hinstellt, ist offenbar keine Sache der Eigenverantwortung mehr.

Als erster ergriff ein junger Lokalpolitiker der Grünen das Wort. Die Ansage war organisatorischer Natur: Wir sollten die Maske aufsetzen. Die meisten hatten sie ohnehin schon an — war es vorauseilender Gehorsam oder die Angst vor Ausgrenzung gewesen? Eine empirische Grundlage für die Maskenpflicht im Freien wurde nicht mitgeteilt. Das sei Teil der Corona-Auflagen.

Ob die Maske im Freien überhaupt wirksam ist, ist jedoch eine Streitfrage. Und eine weitere ist, ob die grobporigen Masken, die die meisten Menschen verwenden, vor einer Übertragung schützen. Hier herrscht alles andere als wissenschaftlicher Konsens.

Außerdem wurde verboten, Flyer auszuteilen. Auch das sei Teil der Auflagen, hieß es. Als ob wir in einer Welt ohne Handschuhe leben würden. Ein Schelm, wer denkt, dass ein Flyerverbot eigentlich ein Politikum ist. Kritische Menschen aller Altersgruppen, die sich in der Klimapolitik nicht mit Parolen abspeisen lassen, kuschen nun flächendeckend vor Verordnungen, ohne sie auch nur im Ansatz zu hinterfragen?

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