„Dies entspricht etwa 5 Euro für alle Mahlzeiten am Tag“

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02-10-20 07:36:00,

„Es gibt immer noch Menschen, die keinerlei Vorstellung davon haben, was es bedeutet, mit Hartz-IV-Leistungen auskommen zu müssen“, sagt Andreas Aust vom Paritätischen Gesamtverband in Berlin. Im NachDenkSeiten-Interview geht der Referent für Sozialpolitik auf die aktuelle Situation der Hartz-IV-Bezieher ein und verdeutlicht: Die von der Bundesregierung angedachte Erhöhung der Hartz-IV-Sätze um 14 Euro reicht nicht aus, um die Armutssituation der Leistungsbezieher zu überwinden. Anlass für das Interview ist eine neue Untersuchung des Paritätischen, die einmal mehr aufzeigt, dass Mangelerfahrungen in den Hartz-Sätzen fest verankert sind. Von Marcus Klöckner.

Herr Aust, vermutlich wird es eine Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze um 14 Euro geben. Ist damit die Armut in Deutschland abgeschafft?

Ob es zu dieser Erhöhung kommt, steht noch nicht fest. Das Kabinett hat sich zwar auf eine Erhöhung der Regelbedarfe um 14 Euro für einen Erwachsenen verständigt. Das parlamentarische Verfahren steht allerdings noch aus. Damit werden die Leistungen für Erwachsene geringfügig höher ausfallen, als durch die Anpassung an die jährliche Lohn- und Preisentwicklung sowieso notwendig gewesen wäre.

Diese Erhöhung würde also nicht ausreichen.

Nein, für eine effektive Armutsbekämpfung ist das zu wenig. Hartz IV und Armut wird ja auch umgangssprachlich geradezu synonym verwendet. Wir haben uns aber in unserer Expertise „Arm, abgehängt, ausgegrenzt. Eine Untersuchung zu Mangellagen eines Lebens mit Hartz IV“ den Sachverhalt einmal genauer angeschaut. Die durchschnittlichen Hartz-IV-Leistungen, die ein Single-Erwachsener bekommt – also Regelbedarfe sowie Wohn- und Heizkosten – lagen 2018 bei etwa 770 Euro. Die Armutsschwelle nach dem Mikrozensus lag dagegen bei 1.035 Euro. Damit gibt es eine gewaltige Diskrepanz zwischen durchschnittlichen Leistungen und Armutsschwelle, in der Armutsforschung spricht man diesbezüglich von einer Armutslücke. Diese Armutslücke betrug 2018 265 Euro. Durch die Neuermittlung der Regelbedarfe zum 1.1.2021 wird sich diese gewaltige Lücke nicht schließen. Und wir haben auch herausgearbeitet: Die Kluft wird im Laufe der Zeit auch noch größer. Dies haben wir durch einen Vergleich der beiden Zeitpunkte 2010 und 2018 zeigen können. Die Armutslücke betrug 2010 noch 192 Euro. Zugespitzt: Die Leistungsberechtigten werden weiter abgehängt.

In einer aktuellen Studie kommt der Paritätische zu dem Ergebnis, dass insbesondere alleinstehende Erwachsene mit Hartz IV in einer akuten Mangellage leben. Wie kommt das? Was haben sie konkret untersucht? Woran fehlt es?

In unserer Expertise war das zentrale Anliegen,

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