30 Jahre Annexion

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03-10-20 01:46:00,

Dieses Tages zu gedenken verstrickt uns in seltsame emotionale Widersprüche, denn Gedenktage haben immer etwas von Totenfeiern. Es werden Erinnerungen geteilt, Hinterlassenes sortiert. Es wird das Gute vom Schlechten getrennt und das Gute aufbewahrt, um es weiterzureichen. Am Ende wendet man sich ab und wieder dem Leben zu. Nur, diese Gedenkfeiern stehen, das wird von Jahr zu Jahr deutlicher, unter umgekehrtem Vorzeichen. Wir gedenken des Lebens, erinnern uns an die Zukunft, und wenn wir uns abwenden, kehren wir in eine Existenz zurück, die vom Tod geprägt ist. Es mag sein, dass uns das durch die Tätigkeit innerhalb unseres Vereins Friedensbrücke besonders auffällt.

Denn was wir tun, ist nur an der äußersten Oberfläche dasselbe wie damals; das Organisieren, Verschicken und Verteilen humanitärer Hilfe. Heute versorgen wir Wunden — notdürftig, weil nicht mehr mit den Mitteln eines Staates, sondern nur von einzelnen Menschen —, die der Staat, in dem wir leben müssen, zumindest mit geschlagen hat. Wir absolvieren oft eine Art Hindernislauf, weil die wirtschaftliche Kriegsführung, auch Sanktionen genannt, es absichtlich ungeheuer erschwert, den Opfern selbst minimale Unterstützung zu gewähren.

Das gilt für Syrien, das gilt für den Jemen und ebenfalls für den Donbass. Da wird beispielsweise das Vereinskonto gesperrt, weil damit die Rechnung einer weißrussischen Spedition bezahlt wird, die Hilfsgüter in den Donbass fährt. Da müssen Güter über Umwege transportiert werden, weil unsere eigene Regierung das Elend der Menschen in der Zielregion verstärkt, nicht lindert.

Wir erleben gelegentlich direkt den permanenten Krieg, in den die Welt seit damals geraten ist, wenn wir bei der Verteilung von Hilfsgütern in den Keller rennen müssen, weil gerade mal wieder ein Wohnviertel oder eine Schule beschossen wird, wie es im Donbass Alltag ist. Wir sehen die Mühsal des Alltags unter dieser aufgezwungenen Not. Einer Not, die ebenso verschwiegen wie gefördert wird; weshalb die zweite Seite unserer Arbeit der beständige Kampf gegen dieses Schweigen ist, das gebrochen werden muss, um ein Ende dieses Kriegszustands herbeizuführen. Im Donbass zeigt sich auch, dass der Versuch, wieder einen Staat zu schaffen, der die Produktionsmittel besitzt, nicht unblutig verläuft und er mit allen Mitteln korrumpiert wird.

Damals, in unserer Kindheit in der DDR, als wir aus dem Geschichtsbuch von den Kämpfen der Kommunisten während der dunklen Jahre Deutschlands erfuhren, freuten wir uns, dank ihrer ein besseres Leben führen zu können.

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