Dreimal Demokratie: gefährdet und neu gefordert

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05-10-20 07:57:00,

Demo in Berlin gegen die Corona-Massnahmen der demokratisch legitimierten Behörden © SRF

Roger de Weck: Die Kraft der Demokratie. Buch-Cover © Suhrkamp

Jo Lang: Demokratie in der Schweiz © HIER UND JETZT

Christian Müller / 05. Okt 2020 –

Die Demokratie ist in Gefahr, weltweit sichtbar von rechtsnationalen Kreisen und Autokraten – aber auch von der Wirtschaft.

Nichts in den letzten Jahren hat das Thema «Demokratie» so ins Zentrum des Interesses und der Diskussion – bis zu handfesten Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit Polizeieinsatz – gebracht, wie die Covid-19-Pandemie. Und dies weltweit! Funktioniert die Demokratie überhaupt noch? Welche Kompetenzen hat sie «nach oben» abgegeben? Was dürfen die Behörden mit «demokratischer Legitimation» tun – im Normalfall, und eben auch in einem Ausnahmefall wie jetzt in Corona-Zeiten?

Nicht als Corona-bedingte Schnellschüsse, sondern als Resultat jahrelanger Beobachtung – aber durchaus aktuell bis ins Jahr 2020 hinein – sind in den letzten Monaten zwei Bücher zum Thema Demokratie erschienen, beide von prominenten Schweizer Autoren, beide hervorragend in Inhalt und Form, beide äusserst lesenswert:

  • Roger de Weck: Die Kraft der Demokratie. Eine Antwort auf die autoritären Reaktionäre.
  • Josef Lang: Demokratie in der Schweiz. Geschichte und Gegenwart.

    Roger de Weck war einst Chefredaktor des Zürcher «Tagesanzeigers» (1992-1997), Chefredakteur der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» (1997-2000) und zuletzt von 2011 bis 2017 Generaldirektor der öffentlich-rechtlichen Schweizerischen Radio- und Fernseh-Gesellschaft SRG. In allen diesen drei Management-Positionen hat er kaum besonders hohe Leistungsausweise verbuchen können. Als Buchautor indessen zeigt er sich einmal mehr von seiner absolut brillanten Seite – in seiner Kernkompetenz als Beobachter, Analyst und sprachlich äusserst talentierter Schreiber.

    De Weck geht das Thema «Demokratie» global an. Seine unzähligen erwähnten Beispiele zeigen einen wahrhaft international belesenen Kenner der Materie. Und er macht, was im Buchtitel noch nicht erahnt werden kann, darauf aufmerksam, dass die Demokratie nicht nur durch Autokratie-begeisterte Politiker und ein reaktionäres Publikum gefährdet ist, sondern vor allem auch durch die globalen Konzerne, die mit ihrer Wirtschaftsmacht die Demokratien in mittleren und kleineren Ländern locker austricksen. Wörtliches Zitat aus dem Buch: «Im Bann der Megamacht von Global Players, die wenig Selbstzweifel hegen und die Politik als ihre Dienstleisterin betrachten, erwuchs aus der liberalen die neoliberale Demokratie.

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