Die Corona-Intrige

die-corona-intrige

06-10-20 09:08:00,

„Soziologische Phantasie besteht zu einem erheblichen Teil aus der Fähigkeit, von einer Perspektive zur anderen zu wechseln und sich dabei ein angemessenes Bild von der Gesamtgesellschaft und ihren Teilen zu machen“ — Charles Wright Mills.

Digitalisierung ist einer der Begriffe zur Beschreibung der aktuellen Schnittstelle von Gegenwart und Zukunft. Gleiches gilt für das Coronavirus. Sein Auftreten trennt die Zeit davor von der „Neuen Normalität“ danach. Infolge der Ausbreitung des Virus in der Bundesrepublik wurde im März 2020 das Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite verabschiedet — ein Notstandsgesetz, auf dessen Grundlage die politischen Freiheitsrechte außer Kraft gesetzt und Beschlüsse gefasst wurden, die große Teile des wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen, religiösen und außerparlamentarisch-politischen Lebens zum Erliegen brachten.

Ausgelöst durch die staatlichen Reaktionen auf das Virus waren und sind einerseits schwere Schäden unterschiedlichster Art die Folge, die andererseits durch Milliardenprogramme aus der Staatskasse in den kommenden Jahren ausgeglichen werden sollen. Gleichzeitig häufen sich seit dem Banken-Crash 2008 die Anzeichen einer ökonomischen Krise im Weltmaßstab. Diese beschleunigt einen Prozess, der als „4. industrielle Revolution“ bereits im Gange ist.

Die Gleichzeitigkeit und Überlagerung der genannten Phänomene, Entwicklungen, Entscheidungen, Schäden, Hilfsprogramme und Krisenauswege führen zu einer unübersichtlichen Situation. Deren Komplexität löst verschiedene Reaktionen aus. Zum einen Panik, die sich auf unterschiedliche Weise zeigt: etwa durch Verdrängen, Anpassung, Ab- und Ausgrenzung, Vereinfachung — kurz durch Formen der Bereitschaft zum Gehorsam.

Zum anderen durch das Gegenteil: die Bereitschaft zum Ungehorsam in Form von Kritik, Zweifeln, Opposition, Fragen, Protesten, Kundgebungen und Widerstand. Eine dritte Reaktionsform resultiert aus der gesellschaftlichen Spaltung. Die einen bekämpfen die anderen: Die mit den politischen Entscheidungen und Maßnahmen Einverstandenen bekriegen die Oppositionellen. Diese wiederum stellen die Sichtweise der Regierungsanhänger in Frage.

In der Bundesrepublik finden deshalb erregte und zugleich erregende Pseudodebatten statt. Die mit den Entscheidungen und Maßnahmen der Regierung einverstandene Mehrheit verteufelt die oppositionellen Kräfte als „Aluhüte“, „Esoteriker“, „Impfgegner“, „verantwortungslose Virusleugner“, „Spinner“, „Qanon-Kult“, so Der Spiegel in Nr. 39/2020, „Rechte“ und „Reichsbürger“, die angeblich einen „Sturm auf den Reichstag“ veranstaltet haben — eine Schauspielposse. Besondere Durchschlagskraft besitzt das ehedem vom Erkenntnistheoretiker Karl Popper kreierte Etikett „Verschwörungstheorie“. Im Keim erstickt es jede der noch so berechtigten Erörterungen über gesellschaftliche und politische Interessen, Hintergründe und Zusammenhänge. Poppers „Offene Gesellschaft“ mutiert durch die Instrumentalisierung seines begrifflichen Instrumentariums zur autoritären Gesellschaft.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: