“Tiergartenmord”: Putins “Killer” war’s. War er’s?

“tiergartenmord”:-putins-“killer”-war’s.-war-er’s?

06-10-20 04:10:00,

Morgen beginnt der Mordprozess gegen Vadim K. in Berlin, der im Kleinen Tiergarten angeblich im Auftrag der russischen Regierung den einstigen islamistischen Kämpfer Changoshwili getötet haben soll

43 Medienvertreter wollten den morgen beginnenden Mordprozess gegen Vadim K. beziehungsweise Vadim Sokolov direkt verfolgen. Nur 15 Plätze sind im Gerichtssaal Moabit für Journalistinnen und Journalisten vorgesehen. Jahrmarktähnlich entschied daher eine Verlosung über die Teilnahme zur Berichterstattung.

Das große mediale Interesse ist angesichts der politischen Brisanz des Verfahrens nicht verwunderlich. Dem russischen Angeklagten wird von der Generalbundesanwaltschaft zur Last gelegt, im August letzten Jahres den georgischen Staatsbürger Tornike K. oder Zelimkhan Changoshwili (40) im “Kleinen Tiergarten” Berlin am helllichten Tag “aus kurzer Entfernung” mit einer Schusswaffe getötet zu haben. Das Opfer, mit einigen weiteren Alias-Namen wie Tornike Kavtaradze versehen, war in der Kaukasus- Region eine bis ins terroristische Milieu hinein wichtige und schillernde Figur (Blutrache unter Tschetschenen oder Geheimdienstattentat?).

Trotz vieler möglicher Motive für einen Anschlag auf ihn soll – wer auch sonst? – wieder einmal der russische Präsident Wladimir Putin persönlich Auftraggeber für die Ermordung gewesen sein. Wie schon im aktuellen Fall Nawalny ist daher zu erwarten, dass es in der Berichterstattung erneut weniger um die Schüsse selbst als vielmehr um Spekulationen gehen wird, ob es wirklich Putin war. Denn dieser hätte, laut Bild, als Teil von dessen “hybridem Krieg”, wohl den “Auftragskiller” in Marsch gesetzt.

Aufgrund der Tat wurden wechselseitig zwei russische und deutsche Diplomaten aus Berlin und Moskau ausgewiesen. Denn laut Bundesanwaltschaft sei die Tat im “Auftrag der russischen Zentralregierung” oder der Teilrepublik Tschetscheniens ausgeführt worden. Der Angeklagte soll laut Bundesanwaltschaft einen “staatlichen Auftrag” ausgeführt haben, entweder “um dafür bezahlt worden zu sein oder weil er das Motiv seiner Auftraggeber geteilt habe”.

Belege hierzu wurden von den Karlsruher Ermittlern bislang nicht vorgelegt. Auch Anfragen zu diesem Sachverhalt werden nicht beantwortet. Unterstellt wird laut bisheriger Anklageschrift als Motiv die mutmaßliche Gegnerschaft des Erschossenen zu Russland und zur heutigen georgischen Regierung. Das Wort “mutmaßlich” darf man an dieser Stelle getrost streichen.

Im zweiten Tschetschenienkrieg war Changoshwili auf Seiten islamistischer Kämpfer des “Kaukasischen Staats” gegen Russland aktiv. Er gehörte einer im georgischen Pankisi-Tal lebenden muslimischen Minderheit an.

Aus dieser Gegend nahmen zahlreiche Kämpfer am Krieg teil. Tornike K. sei nach Meinung seiner Landsleute im Krieg ein “kluger Führer” gewesen.

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