Alle zusammen!

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07-10-20 02:29:00,

Wir sind eins. Wir sind ein Volk, eine Familie. Wir wollen Freiheit und Frieden. Dafür gehen wir auf die Straße. Dort treffen wir unsere Brüder und Schwestern in bunten Farben. Gemeinsam protestieren wir gegen die Maßnahmen der Regierung, gegen Masken- und Impfzwang, gegen den Ausruf einer zweiten Welle und gegen einen weiteren Lockdown. Wir sind gegen Zensur und für Meinungsfreiheit, gegen Entmündigung und für unsere Grundrechte. Wir wollen unsere Würde zurück! Hierin sind wir uns einig.

An unserer Seite marschieren Menschen verschiedener politischer Couleur. Gemeinsam wird skandiert und gesungen, gebetet und meditiert. Getragen vom Gefühl der Zusammengehörigkeit setzen wir uns für dieselbe Sache ein. Dieselbe? Hier und da erheben sich Stimmen, die in der gemeinsamen Melodie Misstöne erzeugen. Mit denen wollen wir nicht verwechselt werden und auch nichts zu tun haben. Doch was machen wir jetzt? Wir können sie nicht ausschließen. Die Straße gehört schließlich allen. Deshalb sind wir ja hier. Wir demonstrieren ja gerade für Pluralität und Vielfalt. Hier dürfen sich alle äußern — zumindest theoretisch. In der Praxis ist es wie in der Geschichte mit dem Wolf, dem Schaf und dem Kohlkopf: Können wir gemeinsam weiterkommen?

Wir sind eine Menschheitsfamilie. Hierin dürften sich viele der Demonstrierenden einig sein. In einer Familie ist es so, dass niemand ausgeschlossen werden kann. Wir können zwar so tun, als gäbe es den Naziopa, die sich prostituierende Tante und das uneheliche Kind nicht — dennoch sitzen wir mit ihnen zusammen im selben Boot. Wir funktionieren nicht als isolierte, losgelöste Körper, sondern stehen als Teil eines zusammenhängenden Ganzen in Resonanz mit dem gesamten Gefüge. Im Familienstellen, einer psychotherapeutischen Methode zur Aufarbeitung und Auflösung von psychischen und physischen Störungen und Krankheiten, werden diese Zusammenhänge deutlich (1).

Die Probleme, die eine Generation nicht löst, werden an die nächste weitergegeben. Oder wie Carl Gustav Jung (1875 bis 1961) es formulierte: „Was wir verdrängen, ereilt uns als Schicksal.“ Vor diesem Hintergrund fallen Krankheiten, Konflikte, Unfälle und all die Unannehmlichkeiten des Lebens nicht vom Himmel. Sie haben immer auch etwas mit der Gruppe zu tun, in die wir hineingeboren wurden. Wollen wir demnach ein Problem dauerhaft aus der Welt schaffen, müssen wir uns nicht nur das Detail ansehen, sondern auch das Gesamte. Lösung kann nur dann eintreten, wenn alle Teile des Ganzen integriert sind.

Die schwarzen Schafe müssen gewissermaßen in die Gruppe zurück.

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