Das Wunder von Berlin

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07-10-20 02:40:00,

Wie ratlos die Ärzte im Fall Nawalny eigentlich sind, zeigte das Interview des Chefs von Cinema for Peace Jaka Bizilj. Laut seiner Darlegung geht inzwischen ein Teil der Ärzte aufgrund der extrem kurzen Wirkzeit von Nowitschok davon aus, dass die mutmaßliche Nowitschok-Vergiftung erst direkt im Flugzeug erfolgt sein müsste. Zuvor wurde die Vergiftung im Hotel der Stadt Tomsk oder im Flughafen-Café vermutet.

Diese Version ist aber die problematischste von allen.

Wie konnte der unbekannte Täter Nawalny in dem Gedränge des Flugzeugs mit der geringen Dosis einer Massenvernichtungswaffe so vergiften, dass weder er selbst noch Nawalnys Sitznachbarn zu Schaden kamen?

Und vor allem: Wie konnte der Vergiftete dann die Giftspuren am Flaschenhals hinterlassen, wenn die Wasserflaschen, die angeblich Nowitschok-Spuren aufweisen, im Hotel geblieben sind? Laut Medienberichten hat das Bundeswehrlabor Giftspuren nicht nur im Blut und Urin, sondern auch an den Händen Nawalnys und am Flaschenhals gefunden.

Außerdem meldete Nawalnys Pressesprecherin Kira Jarmysch nichts Verdächtiges im Flugzeug. Nawalny saß die ganze Zeit, bevor ihm schlecht wurde, zwischen ihr und einem anderen Nawalny-Mitarbeiter. Je mehr die „eingeweihten Kreise“ an Informationen durchsickern lassen, desto schwieriger wird es, die Version aufrechtzuerhalten, dass Nawalny mit einem Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden sei.

Etwaige Schwierigkeiten, Diagnosen oder Vergiftungsversionen gegenüber der Öffentlichkeit zu begründen, könnten der Grund sein, warum die Ärzte einer so angesehenen Klinik wie der Charité nun im Fall Nawalny lieber anonym bleiben. Im Unterschied zu den Ärzten aus Omsk und Moskau, die Nawalny in den ersten zwei Tagen seiner Erkrankung erste Hilfe leisteten und seinen Zustand stabilisierten, sind ihre Namen der Öffentlichkeit nicht bekannt. Es war Nawalny selbst, der den Namen seines Arztes in einem Instagram-Beitrag preisgab.

„Noch mal besten Dank dem ganzen Team der Charité-Klinik und dem Professor Eckardt persönlich“, schrieb er in seinem rührseligen Posting.

Laut der Webseite der Klinik gibt es nur einen Professor Eckardt in der Charité: Prof. Dr. med. Kai-Uwe Eckardt, Facharzt für Physiologie, Innere Medizin, Nephrologie, Intensivmedizin & Notfallmedizin, Hypertensiologe DHL. Sein Team und er arbeiten in der medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin.

Im Gegensatz zum Chefarzt der Omsker Ersten Notfallklinik und seinem Stellvertreter gab er keine Abschlusskonferenz zu Krankheitsverlauf, Zustand und Diagnosen des zu entlassenen Nawalny.

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