Der siebte Oktober wird ein Tag der Schande bleiben

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07-10-20 08:09:00,

Am 7. Oktober 2001 marschierten die USA und ihre Verbündeten in Afghanistan an und begannen damit ihren „Krieg gegen den Terror“. Fast zwei Jahrzehnte später wird deutlich, wie falsch dieser Krieg gewesen ist und warum eine weitere Supermacht voller Schmach und Schande abziehen muss – nachdem Zehntausende von Afghanen getötet wurden. Von Emran Feroz.

Kurz nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 wurde klar, wohin es das US-Imperium ziehen wird, um Rache auszuüben. Trotz der Tatsache, dass kein einziger afghanischer Staatsbürger am Terrorakt in New York beteiligt war, mussten Afghanen als Allererste dran glauben. George W. Bush begann seinen „Kreuzzug“ am Hindukusch. Als die Taliban, von nun an menschenfressende Terroristen, der US-Administration eine Auslieferung Osama bin Ladens anboten und sich – und das liest sich wirklich verrückt – an rechtsstaatliche Prinzipien orientierten, indem sie schlichtweg belastendes Material verlangten, wurden sie wortwörtlich abserviert. Die Bush-Administration wollte nämlich keine Beweise gegen bin Laden vorlegen.

Stattdessen flogen die Drohnen

Am 7. Oktober 2001, dem allerersten Tag der Afghanistan-Invasion, flog eine bewaffnete Predator-Drohne über den afghanischen Luftraum. Die Operatoren des unbemannten Fluggerätes saßen in einer US-Luftwaffenbasis in Saudi-Arabien, das neben zahlreichen weiteren Staaten, darunter auch Deutschland, als williger Kriegshelfer Bushs agierte. Weitere Kommandozentralen befanden sich in Washington, wo sich das Pentagon befindet, und in Langley, dem Sitz der CIA. Das vermeintliche Ziel der Drohne: Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar, ein mysteriöser Mann, von dem bis zum damaligen Zeitpunkt praktisch kein einziges brauchbares Bild existierte. Dennoch hatte die Drohne ihn allem Anschein nach ausfindig gemacht, und zwar in der südafghanischen Stadt Kandahar. Ein Knopfdruck. Ein Abschuss. Zwei Hellfire-Raketen trafen namenlose Afghanen. Der allererste Drohnen-Angriff der Menschheitsgeschichte war vollbracht.

Doch der Taliban-Führer überlebte. Dieses Szenario wiederholte sich in den darauffolgenden Jahren immer und immer wieder. In regelmäßigen Abständen wurde verlautbart, dass Omar oder andere hochrangige Militante getötet wurden – bis sie wieder quicklebendig auftauchten. Irgendwann sprach man nur noch von „Geistern“. Die britische Menschenrechtsorganisation Reprieve kalkuliert auf der Basis der Auswertung von Medienberichten sowie Recherchen für die Zeit von November 2002 bis November 2014, dass auf 41 Zielpersonen in Pakistan und dem Jemen 1.147 durch Drohnen getötete Zivilisten kommen. Zu den Zielen gehören Al-Qaida-Chef Aiman al-Zawahiri andere hochrangige Taliban-Köpfe.

Vor fünf Jahren wurde bekannt, dass Omar 2013 eines natürlichen Todes starb.

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