Lügen für die Supermacht

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08-10-20 07:59:00,

Zum 90-jährigen Jubiläum von Ford Köln verleugnet der Kölner Stadt-Anzeiger die Produktion zehntausender LkW für die Wehrmacht. Die herrschenden Kreise in der Bundesrepublik Deutschland rühmen sich, bei der Aufarbeitung der NS-Herrschaft besonders vorbildlich zu sein. Doch bei der Täterschaft von Konzernen, und insbesondere von US-Konzernen, herrschen seit Gründung der Bundesrepublik Verdrängung und Lügen, mit Folgen bis heute. Von Werner Rügemer.

Ford Köln 90 Jahre: Die Idyllen-Produktion

Zum 90-jährigen Jubiläum der Ford-Werke in Köln brachten die Zeitungen des Kölner Medienmonopols DuMont Schauberg – Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau, Express – am 2. Oktober 2020 ganzseitige Jubelartikel „90 – Happy Birthday, Ford!“: Vom immer wieder reproduzierten Foto der Grundsteinlegung am 2. Oktober 1930 mit dem zufrieden lächelnden Henry Ford und dem beflissenen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer über die PkW-Vorkriegsmodelle und dann die millionenfach erfolgreichen Nachkriegsmodelle wie Capri, Taunus und Fiesta (Europas meistverkaufter Kleinwagen) bis zum heutigen Elektroauto Fiesta EcoBoost Hybrid. Ford Köln – ein strahlendes Erfolgsmodell.

„Als einer der größten Arbeitgeber hat Ford Generationen und Tausenden von Kölnern eine berufliche Heimat gegeben und gehört zu Köln wie der Grüngürtel“, wird der heutige Chef von Ford Köln folgsam zitiert.

Dass die hohen Gewinne der Vergangenheit, die in die USA überwiesen wurden, die notwendige Innovation haben verschlafen lassen und dass jetzt „wegen Corona“ tausende Arbeitsplätze abgebaut, wegen dortiger Niedriglöhnerei in osteuropäische Oligarchenstaaten verlegt werden – das wird nicht einmal im Nebensatz erwähnt.

Dass Ford Köln jetzt vom Land NRW eine 500-Millionen-Kreditbürgschaft haben will, um wenigstens symbolisch und für eine Übergangszeit ein paar Arbeitsplätze für e-Mobilität in Köln zu erhalten, und dass die immer noch gelobte „freie Marktwirtschaft“ und sogar „erfolgreiche“ US-Konzerne entgegen ihrer Legende ohne exzessive deutsche Staatshilfe nicht mehr lebensfähig sind – all das wird nicht thematisiert. Das würde die seit Adenauers Zeiten blind gepflegte Idylle stören.

Die erste Lüge: „Fabrik im Krieg zerstört“

Die Idylle wird aufrechterhalten auch durch Lügen. „1944/45 wird die Autofabrik im Kriegsgeschehen zerstört“, schreibt der Express (Philipp Meckert: „Neun Meilensteine aus neun Jahrzehnten in Köln“). Das ist die erste Lüge. Sie hat es in sich – obwohl sie so plausibel klingt, nicht wahr? „Ganz Köln wurde zerstört“, lautet das gern in der Stadtgeschichte gepflegte Klischee.

Doch die Ford-Werke wurden nicht zerstört, im Gegenteil. Nur die Baracken der bei Ford eingesetzten tausenden Zwangsarbeiter wurden durch die US-Bomber zerstört.

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