Nawalny und die Laufburschen der USA

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09-10-20 10:50:00,

Infame Behauptungen über Altkanzler Gerhard Schröder verbreitet Alexey Nawalny in deutschen Medien: Schröder sei „Putins Laufbursche“. Nawalny wird deswegen nicht angemessen in die Schranken gewiesen, sondern teils noch unterstützt. Diese Unterstützer sind jedoch die wahren (transatlantischen) „Laufburschen“. Von Tobias Riegel.

Der SPD-Altkanzler Gerhard Schröder wird zuverlässig für die falschen Dinge kritisiert. Dabei ist harsche Kritik am Politiker Schröder angebracht, sein Sündenregister allein aus der rot-grünen Regierungszeit ist lang und verstörend: Es reicht von der Einführung von Hartz-IV bis zum Kosovo-Krieg – Schröder wird darum vor allem als ein destruktiver Politiker in Erinnerung bleiben.

Einen positiven Teil-Aspekt hat aber das Wirken Schröders: Er ist bei aller berechtigten Kritik eine der wenigen verbliebenen Konstanten im Verhältnis Deutschlands zu Russland. Schröder ist ein direkter Draht, der bei internationalen Zuspitzungen und einer weiteren Zerstörung der deutsch-russischen Kommunikationskanäle noch wertvoll sein könnte. Schröder lässt sich für diese Rolle mutmaßlich gut bezahlen – aber ist es nicht eine wichtige Rolle? Und muss er nicht erhebliche Prügel dafür einstecken? Hat man in einer un-perfekten Welt nicht besser eine un-perfekte Figur wie Schröder als deutsch-russisches Verbindungsglied als gar keines?

„Ein Laufbursche Putins, der Mörder beschützt“

Die Aufregung um Schröders Verbindungen nach Russland und um seine Tätigkeiten für russische Firmen erreichte dieser Tage einen neuen Höhepunkt, weil Schröder öffentlich die Vorverurteilung Russlands wegen der mutmaßlichen Vergiftung des russischen Politikers Alexej Nawalny abgelehnt hatte: Nawalny hat daraufhin in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung infame Vorwürfe gegen Gerhard Schröder erhoben. „Schröder ist ein Laufbursche Putins, der Mörder beschützt“, sagte er und fügte mit Blick auf Schröders Engagement für die russischen Konzerne Gazprom und Rosneft hinzu: „Es gibt eine offizielle Bezahlung und ich habe keine Zweifel daran, dass es auch verdeckte Zahlungen gibt.“ Vor allem wegen der letzten Behauptung behält sich Schröder laut Medien rechtliche Schritte vor.

In dem Interview stellt Nawalny noch weitere steile Thesen auf. So seien Schröders Zweifel an der Verantwortlichkeit „des Kreml“ für den Giftanschlag “erniedrigend für das deutsche Volk“. Dazu muss festgestellt werden: Genau das Gegenteil ist der Fall. Als eine der ganz wenigen prominenten Stimmen der Vernunft im Fall Nawalny muss man Schröder hier Mut bescheinigen. Erniedrigen tun sich vielmehr die medialen und politischen Kommentatoren, die einer dubiosen Kampagne der Vorverurteilung folgen: Sind das nicht die wahren Laufburschen – die der Transatlantiker und der Fracking-Lobbyisten?

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