Das Blutbad an der Thammasat-Universität

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10-10-20 11:10:00,

Am vergangenen Dienstag jährte sich das Massaker an den Studentinnen und Studenten der Thammasat-Universität im Zentrum Bangkoks zum 44. Mal. Wie heute im Jahre 2020 waren auch damals die Studenten dieser Universität die Vorreiter für Forderungen nach Demokratie und Freiheit in einem Land, das seit der Umwandlung der absoluten in eine konstitutionelle Monarchie im Jahr 1932 die meiste Zeit von einer Militärregierung beherrscht wurde. Die Ereignisse vom 6. Oktober 1976 sind wie mit einem Brandeisen in die Geschichte Thailands und in das Gedächtnis der Zeitzeugen eingebrannt. Dieses Jahr kam dem Gedenktag an die damaligen Opfer angesichts der erneut aufgeflammten Protestbewegung gegen die Militärdiktatur von General Prayut Cha-Oncha eine besondere Bedeutung zu. Von Jinthana Sunthorn, Hongkong. Übersetzung aus dem Englischen durch die NachDenkSeiten-Redaktion.

Lesen Sie dazu bitte auch: Unruhen in Thailand: Was will die Protestbewegung?

Um die Bedeutung des 6. Oktober sowohl für die moderne thailändische Geschichte wie auch für die heutige Protestbewegung zu verstehen, müssen wir ein paar Jahrzehnte zurückgehen. 1971 übernahm Feldmarschall Thanom Kittikachorn in einem erneuten Putsch die Macht in Thailand und setzte wieder einmal die Verfassung außer Kraft. Zusammen mit seinem Sohn Narong und seinem Stellvertreter Phrapas Charusathien regierten sie Thailand mit brutaler Gewalt. Sie waren alle drei stramm pro-amerikanisch und antikommunistisch eingestellt. Und, so kann man mit Fug und Recht behaupten, sie waren Banditen. Sie waren alle drei so korrupt, wie es nur geht, bereicherten sich hemmungslos, machten alle möglichen legalen und illegalen Geschäfte und hatten private Beteiligungen an über 170 Firmen. Sie waren am internationalen Drogenhandel mit Heroin aus dem Goldenen Dreieck und an der Prostitution in Bangkok beteiligt. Phrapas als Polizeipräsident und Narong als Heeresführer hielten schützend die Hand über diese Geschäfte. Thailand wurden sie bekannt als die drei Tyrannen. Phrapas verdiente sich zudem noch den zweifelhaften Titel als „Schlächter von Bangkok“, weil er alle Gegner und Konkurrenten einfach ermorden ließ.

Der 14.-Oktober-Aufstand 1973

Am 14. Oktober 1973 wurde diese Militärjunta durch einen Volksaufstand gestürzt, nachdem das Militär am selben Tag bereits 77 Teilnehmer an einer Demonstration erschossen hatte. Am Aufstand hatten sich breite Bevölkerungsschichten beteiligt, sogar Teile der Oberschicht von Bangkok, der Staatsbürokratie und der Streitkräfte. Alle hatten die drei Tyrannen satt. Auch König Bhumipol unterstützte das Volk in seinem Verlangen nach einem Ende der Militärherrschaft und entzog der Militärjunta seine Unterstützung.

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