Die Anerkennung

die-anerkennung

10-10-20 11:09:00,

Dieses Essay zu schreiben, das fällt mir gleichzeitig leicht und schwer. Leicht ist es, mich aus dem Fundus an Sorgen zu bedienen, die sich in den letzten Monaten angehäuft haben, das Sammelsurium an kleinen Traumatisierungen auszubreiten, die ich und die wir alle erlebt haben. Schwer ist es, sich diese Sorgen einzugestehen. Denn bevor wir merken, was uns bedrückt, müssen wir uns bewusst werden, dass Druck da ist. Aber dagegen sperren sich derzeit ganz viele Menschen. Wir reden unsere Sorgen klein, winken ab, verleugnen sie vielleicht sogar. Anderen geht es schlechter. Wir können uns da noch glücklich schätzen. Du hast doch viel kleinere Sorgen. Deine Sorgen sind nicht echt. Deine Gefühle sind nicht echt. Du darfst Dich so nicht fühlen. Du bist unmoralisch. Du bist egoistisch. Wer bist du schon? Wer bist Du, um Sorgen zu haben?

Das ist eben der falsche Weg. Die Anerkennung, das ist ein doppeldeutiger Titel. Wir müssen zunächst unsere eigenen Sorgen als wichtig anerkennen, um diese Anerkennung dann anderen zuteilwerden zu lassen. Denn unsere Sorgen wiegen. Sie haben Gewicht, und oft wiegen sie schwer. Dass andere auch Sorgen haben, vielleicht noch mehr als wir – das ist eine Gelegenheit, sich auszutauschen, nicht, sich abzuschotten. Es ist eine Gelegenheit, uns selbst ernst zu nehmen. Erst wenn wir das getan haben, nehmen wir auch anderer Menschen Ängste wahr. Dann können wir uns ihnen öffnen, sie nachvollziehen. Und uns ihnen stellen.

Das habe ich in den letzten Wochen und Monaten nicht getan. Diese Zeit war auch alles andere als normal. Wir alle leben seit Anfang des Jahres im permanenten Krisenzustand. Glaubst Du, das geht spurlos an Dir vorbei?

Genau in dieser Zeit bin ich umgezogen. Raus aus dem Elternhaus wollte ich. Lange habe ich mir diesen Wunsch versagt, da ich meinen Eltern, die mich schon immer unterstützt haben, keine zusätzliche finanzielle Bürde aufhalsen wollte. Ich fand es unverhältnismäßig, sie zu bitten, gleich mehrere hundert Euro im Monat für mich auszugeben – nur für ein Mehr an persönlichem Freiraum? Ich Egoist!

Meine Eltern sahen das beide anders. Nach einigen Gesprächen war uns allen klar, dass es jetzt an der Zeit ist für diesen Schritt. Lange hatte ich einen Wunsch unterdrückt, von dem ich erst merkte, wie tief er sitzt, als ich mich auf ihn eingelassen hatte. Um meinen Eltern keine Last zu sein,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: