In Kontakt bleiben

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10-10-20 11:05:00,

Corona bringt es an den Tag: Wir leben uns auseinander. Aus einstigen Vertrauten werden Fremde, Gegner, manchmal Feinde. Ein tiefer Riss zieht sich durch die Gesellschaft. Viele von uns sind bestürzt und erschüttert. Wie ist es möglich, dass auch langjährige Weggefährten in den Ereignissen nicht dasselbe erkennen wie man selbst? Wie kann der andere nur so verschlossen sein, so abweisend, so ignorant? Hat man sich denn von Anfang an in ihm getäuscht? Haben wir dort Gemeinsames gesehen, wo in Wirklichkeit immer schon Unverständnis war, Offenheit dort, wo die Tür schon immer verschlossen war?

Ich gehöre zu den Menschen, die die neuen Gepflogenheiten schockieren und verletzen. Andere scheinen sich kaum daran zu stören, dass sie sich nicht mehr frei bewegen können, dass das soziale und kulturelle Leben blockiert ist, dass Millionen ins Elend getrieben werden und zugrunde gehen. Sie sehen es nicht so. Sie sind nicht wie ich darüber empört, dass uns allen im wahrsten Sinne des Wortes die Luft zum Atmen genommen wird, dass Kinder regelrecht gekidnappt werden und alte Menschen an Einsamkeit sterben. Sie setzen auf Abstand, Masken und die Entwicklung eines Impfstoffes.

Ich respektiere das. Jeder hat die Freiheit zu denken und zu tun, was er für richtig hält. Dennoch fühle ich mich tief verunsichert und verwundet, wenn liebe Freunde, kluge, gebildete und sensible Menschen, die Dinge auf so gegensätzliche Weise sehen. Hatten wir nicht bisher ähnliche Werte und Ideale? Haben wir uns nicht vom selben Geist inspirieren lassen, dieselben Lieder und Dichter geliebt? Wer von uns irrt sich? Wer ist auf dem falschen Weg? Oder ist letztlich jeder Weg der richtige?

Ich vermisse euch! Wie gerne ginge ich mit euch zusammen durch diese Zeit, wie gerne spürte ich euch in meiner Nähe im aufkommenden Sturm. Wie gut täte es, das vertraute Lachen zu hören und im Bewusstsein der grundsätzlichen Übereinstimmung gemeinsam weiterzugehen. Doch der Ton zwischen uns ist scharf geworden und unsere Blicke weichen einander aus. Verwunderung, Misstrauen und Ärger haben Vertrauen und Wärme abgelöst. Tief gräbt sich eine Kluft zwischen uns. Auf verschiedenen Schollen treiben wir auseinander und blicken uns fassungslos nach.

Was ist hier los? Für die einen geht es um ein paar gerechtfertigte Maßnahmen zur Eindämmung eines Virus, für die anderen um einen tiefen und grundsätzlichen Wandel nicht nur unserer Gesellschaft, sondern der gesamten Menschheit.

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