Kinder des Krieges

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10-10-20 12:05:00,

Jeder Krieg hat viele Töne und Gesichter. Jeder Krieg bedeutet Luftangriffe, Artillerie- und Panzerdonner, Schusskanonade. Der Krieg schleicht heran und bricht über einen mit aller Wucht herein, in dem Augenblick, wenn man es am wenigsten erwartet. Man versteckt sich und zählt Explosionen. Eine. Zwei. Drei … Vorbei! Herrgott! Danke dafür!

Danach verstummen die Geschütze. Und in dieser Stille wird das Weinen eines Kindes hörbar. Leise Schluchzer, die jammerndem Miauen ähneln. Und dann beginnt ein alles übertönender Beschuss wieder … Genau deswegen sind die Kinder des Krieges still. Sie wissen, dass ihr Weinen ungehört bleibt.

Der Sommer 1941 war sehr heiß. Unter brennender Sonne verblichen die Felder und trockneten Flüsschen aus, die Nächte waren nach wie vor kalt und dunkel. Das Land lebte. Niemand erwartete, dass der Tod gerade an der Tür anklopft. Die Menschen wussten zwar, dass der Krieg alsbald beginnen kann, doch versuchten sie an etwas Besseres, an das Gute zu glauben. Wie bei uns im Jahre 2014.

Einer meiner Urgroßväter hieß Vasilij, im Jahr 1941 ist er 17 Jahre alt geworden. Er hat sich ein Jahr älter gemacht und seine Unterlagen eingereicht, um zum Studium zugelassen zu werden. Nur war es seinen Träumen nicht vergönnt, in Erfüllung zu gehen. Der Krieg brach herein. An Studieren war nicht mehr zu denken.

Der Krieg kann vieles. Er kann unzählige Menschenleben in seinen Mahlwerken zermalmen, kann Zerstörung und Hunger mit sich bringen. Der Krieg kann das Schicksal einer ganzen Generation verändern und so Brandmale und Narben in ihrem Gedächtnis hinterlassen. Aber wenn man dem Krieg Widerstand leistet, zieht sich dieser langsam zurück. Wir behalten unsere Helden in Erinnerung und vergessen niemals, wie schwer es war, den Sieg zu erringen.

War es viel oder wenig — all die Jahre, die dem friedlichen Leben abgerungen wurden? Für das ganze Volk wurde der 22. Juni zum Datum, das das Leben in ein Davor und ein Danach geteilt hatte.

All diese langen, qualvollen Jahre kämpften meine Großväter, wie andere Leute, um den Sieg und das Leben. Der Krieg prüfte sie auf Standfestigkeit, stählte ihren Charakter und machte aus ihnen Persönlichkeiten. Und ich bin stolz darauf, dass niemand von ihnen zum Verräter, zum kollaborierenden Hilfspolizisten wurde.

Mein Urgroßvater Vasilij war Artillerist. Er befreite sich, wie so viele Soldaten in der damaligen Zeit,

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