Das irreführende Starren auf die Corona-Fallzahlen (1)

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11-10-20 07:54:00,

Die weltweiten Fallzahlen auch bei der John Hopkins University auf der Titelseite. © JHU

Urs P. Gasche / 10. Okt 2020 –

Statt sachlich einzuordnen wird dramatisiert. Das verspielt Vertrauen in Behörden und Experten und nährt Verschwörungsphantasien.

Medien und Behörden verbreiten in diesen Tagen mehr denn je an erster Stelle, wie viele neue Corona-Fallzahlen es pro Tag oder Woche gegeben hat. Steigende Fallzahlen entscheiden darüber, ob Läden, Restaurants und Schulen geschlossen oder Grossveranstaltungen abgesagt werden. Und wohin ohne Quarantäne gereist werden kann.

Die Problematik von reinen Fallzahlen

Infosperber informiert bereits seit April über fünf Probleme mit den Fallzahlen:

1. Fallzahlen ohne gleichzeitige Angabe der Zahl der durchgeführten Tests sind unseriös. Denn je häufiger getestet wird, desto mehr «Fälle» findet man (Infosperber vom 10.4.2020 und vom 16.4.2020).Die Grafik auf der Titelseite der NZZ vom 8.10.2020 übertreibt optisch die gegenwärtigen Neuinfektionen im Vergleich zum Frühjahr, weil sie die Anzahl der Tests nicht berücksichtigt.

2. In internationalen Vergleichen müssen Fallzahlen pro 100’000 Einwohner angegeben werden. Dann liegen die USA mit ihren über 200’000 ausgewiesenen Todesfällen an neunter und nicht an erster Stelle (Infosperber vom 25.9.2020).

3. Fallzahlen ohne gleichzeitige Angabe, wie viele der positiv Getesteten überhaupt an Krankheitssymptomen leiden und an welchen, können den irreführenden Eindruck wecken, bei den vielen «Fällen» handle es sich um Erkrankte (Infosperber vom 26.4.2020 und vom 25.9.2020). Unter den Begriffen «Fällen» oder «Infizierte» meinen viele, es handle sich dabei um Erkrankte. So wünschte etwa der Fussballreporter des Matches Schweiz-Kroatien den beiden positiv getesteten Spielern Xherdan Shaqiri und Manual Akanji «gute Besserung», obwohl die beiden gar nicht krank waren.

4. Zudem sind etliche der positiv getesteten «Fälle» zum Zeitpunkt des Tests nicht mehr ansteckend, auch wenn sie vorher Krankheitssymptome hatten.

«Zu Unrecht als Ansteckende behandelt»

«Viele Tests erkennen noch lange Zeit nach einer Infektion Spuren des Virus.

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