Die Erosion der Kommunikation

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11-10-20 08:38:00,

Digitalisierung hat eine so massive Veränderung in der Kommunikation untereinander verursacht, wie sie als Konsequenz technologischer Umbrüche noch nie vorgekommen ist. Das gemeinsame Entwickeln von Lösungen wird immer schwieriger, da Menschen die Empathie füreinander verlieren. Wenn jedoch immer weniger Menschen noch die Geduld aufbringen, ihren Gesprächspartnern zuzuhören und zu warten, bis sie ausgeredet haben, dann wird ein gemeinsames Leben und Arbeiten an ein Ende kommen.

MARIE-LUISE WOLFF, 11. Oktober 2020, 0 Kommentare

Wer um das Jahr 2000 geboren ist, hat, seit er denken kann, Menschen um sich gehabt, die die meisten Stunden ihres Tages mit einem Bildschirm in Sichtweite oder direkt vor ihrem Gesicht verbringen. Ich sehe Mütter und Väter mit einer Hand ihre Kinderwagen schieben, während sie ihren Blick auf das Smartphone gerichtet halten, das in ihrer anderen Hand ruht. Ich sehe Kleinstkinder, die mit iPads ruhiggestellt werden und damit “arbeiten” wie Erwachsene. Ich sehe Familien in Restaurants, jedes der Kinder ein iPad vor sich aufgestellt, die Eltern jeweils ein Handy in der Hand. Ich sehe Eltern, die sich nicht mehr trauen, ihrem Kind Einhalt zu gebieten, wenn es während eines Gesprächs nur noch auf sein Handy starrt. Und ich sehe Eltern, die dasselbe tun. Ich erlebe Mitarbeiter und Führungskräfte, die den ganzen Tag mit Kopfhörern herumlaufen, die im Zug oder während analoger Besprechungen nebenbei an Telefonkonferenzen teilnehmen und die mit ihren Teams unablässig über Texting kommunizieren.

Digitalisierung hat eine so massive Veränderung in der Kommunikation untereinander verursacht, wie sie als Konsequenz technologischer Umbrüche noch nie vorgekommen ist. Ein Beispiel für den Übergang von analogem zu digitalem Dasein ist Multi-Lifing, das Betreiben verschiedener Leben im Internet und der analogen Welt und seine zahlreichen Vorstufen.

“Ich glaube, wir lieben unsere Telefone mehr, als wir Personen aus unserem Umfeld lieben”, sagt ein dreizehnjähriges Mädchen aus dem texanischen Houston im Gespräch mit der amerikanischen Jugendpsychologin Jean Twenge, die seit 25 Jahren die Folgen der Nutzung digitaler Medien für verschiedene Generationen untersucht hat. Twenge ist Professorin an der Universität von San Diego, sie hat das Buch IGen geschrieben. Ihre jahrzehntelange Forschung über das Generationenverhalten zeigte bisher, dass sich Einstellungen und Verhalten zwischen Generationen üblicherweise nur langsam und graduell verändern.

Millennials, also diejenigen, die zwischen 1980 und 1990 geboren wurden, seien beispielsweise eine hochindividualisierte Generation. Allerdings habe sich der Individualismus schon seit den Tagen der Babyboomer auf einem steigenden Pfad befunden.

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