„Die Revolution ist fällig! – aber verboten“: Neues Buch sucht Wege aus der Krise

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11-10-20 08:53:00,

„Wir tun so, als hätten wir in Deutschland außer dem Coronavirus keine tatsächlichen Probleme“, beklagt Publizist und SPD-Politiker Albrecht Müller im Sputnik-Interview. Darin stellt der frühere Berater von Alt-Kanzler Willy Brandt sowie Planungschef im Kanzleramt sein neues Buch vor. Für ihn ein Appell an Politik und Gesellschaft.

Im September ist „Die Revolution ist fällig! Aber sie ist verboten“ im Westend Verlag erschienen. Verfasst hat das Buch Albrecht Müller (SPD). Der 1938 in Heidelberg geborene Politiker, Publizist, Autor und frühere Redenschreiber sowie Planungschef im Bundeskanzleramt, unter anderem für Alt-Kanzler Willy Brandt (SPD), saß lange Jahre für im Bundestag.

2003 gründete er die bis heute im deutschen Mediendiskurs einflussreichen „NachDenkSeiten“ für die er als Mitherausgeber aktiv ist. 

„Zu meinem neuen Buch kam es deshalb, weil allenthalben und überall – vor allem von den Regierenden und den ihnen nahestehenden Medien – behauptet wird: Es gehe uns gut und wir hätten eigentlich gar keine Probleme, bis auf Corona.“ Das sagte Albrecht Müller im Sputnik-Interview.

„Es wird so getan, als hätte dieses Land keine Probleme. Als wäre es eine Demokratie, ein Sozialstaat. Doch das stimmt überhaupt nicht. Ich bin schon lange politisch tätig, war lange im politischen Geschäft. Ich habe damals (um 1990, Anm. d. Red.) persönlich miterlebt, wie Chancen und Angebote zur Wiedervereinigung von der Sowjetunion nicht angenommen, auch kaum diskutiert, ja ausgeschlagen worden sind.“

„Die Wende war schon 1980“

Trotz des Kalten Krieges habe es in jener Zeit, auch durch die Ost-Politik von Alt-Kanzler Willy Brandt, Hoffnungsschimmer eines neuen, sozial orientierten Deutschlands gegeben. 

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Sputnik / Sergej Gunejew

„Als endlich die Konfrontation zwischen Ost und West abgebaut wurde, habe ich erlebt, wie es möglich gemacht wurde, dass in allen Bundesländern auch die Arbeiterkinder eine Chance haben, auf weiterführende Schulen zu gehen. Diese beiden Elemente – soziale Sicherheit und Frieden – waren für mich deutliche Zeichen der Verbesserungen.“

SPD-Urgestein Müller nannte erste Krisenerscheinungen ab den 1980ern, als „eine Wende rückwärts eingetreten ist. Zufällig habe ich jetzt ein Buch gelesen von dem französischen Ökonomen Thomas Piketty. Er beschreibt, wie sich die Einkommens- und Vermögensverteilung zunächst ab 1950 verbessert habe – und sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verschlechtert. Als Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt konnte ich das um 1980 herum persönlich beobachten.“

Das genannte Jahr wähle Piketty in seinem Buch auch als Wendepunkt hin zur schlechteren Entwicklung.

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