Nawalnys Ärzte lügen nicht

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11-10-20 08:55:00,

Die ominösen Flaschen in Nawalnys Hotelzimmer in Omsk.

Ist ein Szenario denkbar, in dem die Befunde sowohl des Omsker Krankenhauses als auch der Charité und sogar des Bundeswehrlabors korrekt sind? – Ein Versuch

Wie auf anderen Tätigkeitsfeldern sind die im medizinischen Bereich Beschäftigten mit Berufsstolz erfüllt, der durch den Eid des Hippokrates noch zusätzliches Gewicht erhält. Stützen sich Stellungnahmen wie im Fall Nawalny auf entnommene Proben, gibt es für Ärzte und Laboranten einen weiteren Grund, falsche Diagnosen zu vermeiden und Analyseergebnisse korrekt zu publizieren: Neuuntersuchungen sind jederzeit möglich und Fehlernachweise könnten an ihrem Ruf nagen.

Weder im Omsker Krankenhaus noch in der Charité dürfte daher eine Bereitschaft zu Gefälligkeitsdiagnosen bestehen. Ebenso unwahrscheinlich ist eine Veröffentlichung fingierter Laborergebnisse. Dies betrifft gleichwohl die Befunde des Münchener Bundeswehrlabors, der Militärlabore in Frankreich und Schweden und die von der OPCW angeforderten Analysen, auch wenn sie als geheim kategorisiert worden sind. Angesichts der Vielzahl der involvierten Personen würde andernfalls ein Risiko bestehen, dass jemand unter moralischem Druck zum Whistleblower wird.

Wenn alle an den Probenahmen, Laboruntersuchungen und Diagnosen Beteiligten korrekt gehandelt haben, dann muss für den aktuellen Eklat um Alexej Nawalny eine Erklärung gesucht werden, die außerhalb der Tätigkeit des medizinischen Personals liegt. Dass eine solche nicht nur existiert, sondern zudem recht plausibel ist, wird im Folgenden ausgeführt.

Nawalnys Schwächeanfall

Nawalnys Zusammenbruch nach dem Abflug von Tomsk ist ein unbestreitbarer Fakt. Drei mögliche Gründe kommen in Frage: Eine Vergiftung, ein Schwächeanfall ohne Fremdeinwirkung oder eine Selbstinszenierung. Letztere kann ausgeschlossen werden, da eine Simulierung den Omsker Ärzten nicht verborgen geblieben wäre. Falls Nawalny vergiftet wurde, wie es seine Begleiter vermuteten, müsste dies auf eine Art geschehen sein, die im Omsker Krankenhaus nicht nachgewiesen werden konnte. Hierbei ist bemerkenswert, dass der Cheftoxikologe Alexander Sabajew ein cholinerges Syndrom festgestellt hat, das sich “mosaikartig und für eine kurze Zeit” manifestieren würde. Nawalny wurde deshalb Atropin verabreicht.

Dieser Befund wurde jedoch als unbedeutend erachtet, sodass die Ärzte zu der Diagnose gelangten, dass Nawalny an einer Störung des Kohlenhydratstoffwechsels vor dem Hintergrund einer Pankreatitis litt. Sie wiesen darauf hin, dass er als Folge einer Diät abnahm und bereits mehrere Tage Probleme mit Verdauung und Ernährung hatte. Hinzu sind Stress und das fehlende Frühstück getreten. Wenn auch Nawalny nicht direkt vergiftet wurde,

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