Algorithmische Überwachung – EU entwickelt Abhörplattform mit Sprachanalyse und Gesichtserkennung

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12-10-20 07:40:00,

Die Europäische Kommission entwickelt ein Verfahren zur Identifikation von Personen anhand ihres gesprochenen Wortes. Die Plattform „Roxanne“ soll große Datenmengen verarbeiten und kombiniert dafür Audiodateien mit anderen Informationen, die Personen hinterlassen. Um Netzwerke von Verdächtigen zu erkennen, wertet die Plattform etwa auch Videos mithilfe von Gesichtserkennung aus. Diese stammen aus öffentlichen Überwachungskameras oder werden bei Anbietern wie Youtube und Facebook heruntergeladen.

Mit dem Projekt will die Kommission die Ermittlungsfähigkeiten von Polizeibehörden insbesondere bei großen Kriminalfällen verbessern. 24 europäische Organisationen aus 16 Ländern machen bei „Roxanne“ mit, davon die Hälfte Strafverfolgungsbehörden und Innenministerien. Aus Deutschland sind die Universitäten des Saarlandes und aus Hannover beteiligt. Als einziger Drittstaat entsendet Israel ExpertInnen des Ministeriums für öffentliche Sicherheit in das EU-Projekt. Zum Konsortium gehören außerdem Interpol und der Konzern Airbus.

Stimmen von Männern untersucht

Die Technik soll zur so genannten Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) eingesetzt werden, bei der Telefongespräche abgehört werden. Die Polizei will damit nach bestimmten GesprächsteilnehmerInnen suchen. Auch IP-Telefonie, etwa über Messengerdienste wie WhatsApp, soll mithilfe von „Roxanne“ abgehört werden.

Noch befindet sich das System in der Entwicklung. Vor zwei Wochen haben die Beteiligten einen ersten Test absolviert – mit Sprechproben von Freiwilligen. Einem Blogeintrag zufolge sei dies erfolgreich verlaufen, untersucht wurden aber nur die Stimmen von Männern.

Die tschechische Polizei hat die Wirksamkeit der Technologie außerdem bei Ermittlungen zum Drogenhandel gezeigt. In „riesigen Datenmengen“ seien dabei die Beziehungen von Mitgliedern eines kriminellen Netzwerks visualisiert worden.

Projekt soll „Durchbruch“ bringen

Mit dem „Speaker Identification Integrated Project“ (SIIP) hat die EU-Kommission bis 2018 bereits ein ähnliches Verfahren zur Identifikation von „Kriminellen und Terroristen“ anhand ihrer Stimme finanziert. Auch damals war Interpol beteiligt, außerdem das deutsche Bundeskriminalamt und Airbus.

In der Projektbeschreibung von „Roxanne“ heißt es dazu, der zuvor genutzte Ansatz, der nur auf der Analyse von Sprachbiometrie basiert und keine weiteren Daten einbezieht, habe sich als wenig erfolgreich erwiesen. Außerdem würden beim Einsatz der „derzeit besten Technologie zur Sprecheridentifikation“ mit einem Prozent Falschpositiven nach wie vor zu viele Fehlalarme produziert.

Von „Roxanne“ und der darin genutzten Netzwerkanalyse erwarten sich die Beteiligten deshalb einen „Durchbruch“. Hierzu sollen sämtliche Informationen verarbeitet werden, die bei polizeilichen Ermittlungen anfallen können.

Gezielte Suche nach zusätzlichen Merkmalen

Weil Verdächtige häufig Prepaid-SIM-Karten nutzen,

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