Waffen, Öl und Kampf gegen Iran – Israels Rolle in Bergkarabach

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12-10-20 07:21:00,

In der autonomen Region wüten zwischen Armenien und Aserbaidschan die blutigsten Kampfhandlungen seit den 1990er Jahren. Die Rolle der Regionalmacht Israel in diesem Konflikt erlangt nur sehr wenig Aufmerksamkeit. Israel steht hier fest an der Seite Aserbaidschans. Kürzlich wurde bekannt, dass international geächtete Streubomben aus israelischer Produktion in Stepanakert eingesetzt wurden. Die israelisch-aserbaidschanische Partnerschaft beruht auf drei Säulen: Waffenlieferungen nach Aserbaidschan, Öllieferungen nach Israel und der Kampf gegen den gemeinsamen Feind Iran. Die Leidtragenden dieser Symbiose sind die Kinder, Frauen und Männer in Bergkarabach. Von Jakob Reimann.

Bergkarabach ist ein Schlachtfeld. Im Juli flammte der zwischen Armenien und Aserbaidschan seit Jahrzehnten schwelende Konflikt um die autonome Region im Südkaukasus erneut auf und eskalierte jüngst zu den blutigsten Kampfhandlungen seit den 1990er Jahren, als Aserbaidschan am Morgen des 27. Septembers begann, zivile Stellungen in der Hauptstadt Stepanakert und andernorts zu bombardieren. Beide Seiten bekämpfen sich seit nunmehr zwei Wochen und feuerten immer wieder mit Raketen und Artillerie auch auf zivile Stellungen. Bilder völlig zerstörter Wohnhäuser gingen um die Welt. Die Kämpfe entwickelten sich zu heftigen Materialschlachten, bei denen Dutzende bis Hunderte Panzer, Kampfjets und Drohnen zerstört wurden. Die Angaben über die Opferzahlen der jüngsten Gefechte weichen je nach Quelle massiv voneinander ab und liegen insgesamt wohl zwischen einigen Hundert bis mehreren Tausend, mit Dutzenden bis Hunderten getöteter Zivilisten auf beiden Seiten. 75.000 Menschen mussten in Bergkarabach nach anderthalb Wochen Kämpfen aus ihren Häusern fliehen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Nahezu alle Frauen und Kinder sind auf der Flucht. Nach der Verhängung des Kriegsrechts und der eingeleiteten Generalmobilmachung steht nun jeder einzelne Mann in Bergkarabach potentiell an der Waffe. Am Samstag trat um 12 Uhr mittags Ortszeit offiziell eine Waffenruhe in Kraft. Diese wurde in Moskau zwischen den Außenministern beider Kriegsparteien unter Mediation des russischen Außenministers Sergei Lawrow verhandelt. Buchstäblich Minuten nach Inkrafttreten der Feuerpause beschuldigten sich beide Seiten, die Vereinbarung gebrochen zu haben: Armenien habe die zweitgrößte Stadt Ganja und Aserbaidschan Stepanakert mit Raketen unter Beschuss genommen, samt zivilen Toten auf beiden Seiten. Die Vereinbarung, so scheint es, ist das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht.

Der Bergkarabach-Konflikt ist einer der ältesten andauernden kriegerischen Konflikte der Welt. Die Lage der Region als „geopolitisches Sandwich“ zwischen Russland,

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