Die skandalöse Steuerpolitik

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13-10-20 02:45:00,

Guten Tag,

dem obigen Artikel möchte ich — soweit es mir als Steuerberater möglich ist — in Teilen widersprechen.

Als Steuerberater ist man sicherlich geneigt Vorhaltungen gegenüber der Finanzverwaltung reflexartig zuzustimmen. Allerdings frage ich mich, wie der Autor, ein ehemaliger Betriebsprüfer der Finanzverwaltung, im Eingangsabsatz seines Artikels der staatlichen Finanzverwaltung einen wichtigen Anteil an dem Geschehen im Zusammenhang mit Wirecard zurechnen kann.

Wenn Geldbeträge in Asien verloren gehen, ist dies zunächst eine bilanzielle Frage. Ein Posten der Aktiva ist unauffindbar. Wie auch die Wirtschaftsprüfer würde die Finanzverwaltung im Rahmen einer Betriebsprüfung sich auf einen Bankbeleg verlassen. Während die Wirtschaftsprüfer die Richtigkeit desselben noch durch eine Gegenkontrolle verplausibilisieren, geht die Finanzverwaltung schon zum nächsten Thema über. Ihre Aufgabe ist — zu Recht — nicht die Richtigkeit und Vollständigkeit der Geld-Aktiva einer Bilanz zu überprüfen, sondern die Richtigkeit der Besteuerungsgrundlagen.

Erst wenn in der nächsten Bilanz der verloren gegangene Aktivposten ausgebucht wurde, kann die Finanzverwaltung darüber nachdenken, ob der Aufwand in Deutschland auch steuerlich als Betriebsausgabe abzugsfähig ist. Zu dieser Gelegenheit kam die Finanzverwaltung aber im vorliegenden Fall noch gar nicht.

Entgegen der Auffassung des Autors wird die Feststellung der steuerlichen Bemessungsgrundlage beziehungsweise die hochsensible Steuerprüfung eben nicht den privaten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften überlassen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften prüfen den handelsrechtlichen Jahresabschluss und den Lagebericht. Auf Basis des handelsrechtlichen Jahresabschlusses wird die Steuerbilanz mit ihrer Gewinn- und Verlustrechnung erstellt. Allein diese ist Grundlage für die Steuererklärungen. Die Prüfung dieser — von wem, ob Unternehmen oder Steuerberater, auch immer erstellten — Steuererklärungen ist Aufgabe der Finanzverwaltung.

Bei den in diesem Artikel besprochenen Konzernen werden die Steuererklärungen lückenlos im Rahmen von sogenannten Anschlussprüfungen von der Finanzverwaltung geprüft. Oft ist es sogar so, dass die Finanzverwaltung im Unternehmen schon einen festen Raum hat, indem sie sich nahezu lückenlos aufhält und ihrer Prüfungstätigkeit nachgeht.

Es ist ausdrücklich nicht Aufgabe der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften die Steuererklärungen und somit die steuerliche Bemessungsgrundlage für die Steuerfestsetzung zu prüfen. Wie der Autor — ein ehemaliger Betriebsprüfer — zu dieser These gelangt, ist mir unerklärlich. Ohne auf das Aufgabengebiet der Wirtschaftsprüfer eingehen zu wollen — dazu möge sich bitte ein Wirtschaftsprüfer äußern — ist der Vergleich von Bock und Gärtner alles andere als höflich.

Wenn es in Deutschland in den letzten Jahren zu einer massiven steuerlichen Entlastung von Unternehmen und insbesondere Konzernen kam,

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