Der Schatten als Freund

der-schatten-als-freund

16-10-20 08:09:00,

Über dem Tempel von Delphi standen einst die Worte „Gnothi seauton“ — zu Deutsch: Erkenne dich selbst. Der Satz wurde im Inneren des Tempels vollendet: „… damit du Gott erkennst“. Das bedeutet so viel wie: Selbsterkenntnis wird zu Gotterkenntnis.

Damit ist aber noch lange nichts erklärt. Denn was den Menschen in der Zeit, als das Orakel von Delphi noch befragt wurde, zugänglich war, ist heute im menschlichen Bewusstsein tief vergraben, nämlich die Antworten auf die Fragen: Wer ist das Selbst? Wer ist Ich? Und was habe ich mit Gott zu tun? Diese Fragen sind ein wichtiges Indiz für ein tieferes Verständnis, das wir in diesem Leben erringen dürfen. Es geht darum, ein Bewusstsein über das eigene Wesen zu bekommen und unsere Bewusstseinsseele zu entfalten.

Paracelsus verdichtete die Hinweise des Orakels, indem er darauf verwies: „Mikrokosmos gleich Makrokosmos“ und Hermes Trismegistos dozierte: „Wie oben, so unten“. Doch wer kann schon auf Anhieb sagen, was mit diesen knappen Worten gemeint ist? Ein Verständnis dafür setzt voraus, etwas tiefer zu bohren, um verwertbare Informationen zu bekommen. Paracelsus meint mit Mikrokosmos den Menschen und mit Makrokosmos das Große, das Allumfassende. Bleibt die Frage, was das Große sein soll. Schließlich halten die meisten Menschen Selbsterkenntnis für nicht sonderlich schwierig. Spontan würdest du vielleicht sagen: „Ich kenne mich doch, ich putze mir täglich die Zähne“ oder „… ja doch, ich habe auch schon über mich nachgedacht. Ich weiß vielleicht nicht alles, aber ich kenne mich schon ganz gut.“

So einfach ist das alles nicht, denn uns Menschen steht eine Besonderheit im Weg, die uns das Leben ganz schön schwer machen kann: das Gesetz der Polarität. Das sagt aus, das unser menschliches Bewusstsein polar ist. Bitte noch mal: Das menschliche Bewusstsein — und nur das — ist polar!

Was heißt das? Wir können aufgrund dieser Polarität in uns keine Einheiten oder, besser gesagt, die Einheit wahrnehmen, denn diese ist uns leider verborgen. Du kannst machen, was du willst, du wirst es nicht schaffen. Könntest du es, wärst du in der Lage, dir zum Beispiel einen Punkt, der keine Dimension besitzt, wirklich vorzustellen. Oh, stopp! Nicht einfach einen Punkt malen. Das kann jeder. Dieser gemalte Punkt hat aber Dimensionalität! Ich meine den mathematischen Punkt. Er symbolisiert die allumfassende Einheit.

Wir erleben alles in dieser Welt als gegensätzlich: Mann und Frau,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: