Mit Unwahrheiten kommen verbotene Pestizide zurück

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16-10-20 08:49:00,

Der Berner Bauernverband wünscht sich ein verbotenes Insektizid zurück, das Bienen vergiftet

Tobias Tscherrig / 16. Okt 2020 –

Wegen Ertragsausfällen wollen Schweizer Bauern ein verbotenes Pestizid einsetzen. In Frankreich hatte die Forderung bereits Erfolg.

Weil die Zuckerrübenernte im Berner Seeland und in der Westschweiz von einem Virus bedroht wird, fordern die betroffenen Bauern den Einsatz eines hochgiftigen Pestizids, das in der Schweiz erst vor kurzem verboten wurde.

Eine Forderung, die in Frankreich bereits von Erfolg gekrönt war: Erst kürzlich sprach sich die Nationalversammlung für die teilweise und befristete Aufhebung des Verbots von Insektengiften auf der Basis von Neonicotinoiden aus – obwohl sie hochgiftig sind. Die Debatte in der französischen Nationalversammlung war hitzig und von Unwahrheiten geprägt.

Neonicotinoide: Bedrohung für Bestäuber

Die Zuckerrüben-Bauern im Berner Seeland und in der Westschweiz befürchten in diesem Jahr einen virusbedingten Ertragsausfall von rund 22 Prozent. Um den Schädling zu bekämpfen, fordert der Berner Bauernverband gemäss «SRF» nun eine auf drei Jahre befristete Notfallzulassung des Produkts «Gaucho». Allerdings enthält das Produkt hochgiftige Neonicotinoide, weswegen sein Einsatz vom Bund nach 2019 verboten wurde. Auch in der EU dürfen die drei gängigsten Insektizide, die Neonicotinoide enthalten, seit 2013 nicht mehr auf blühende Pflanzen gesprüht werden. Ein löchriges Verbot, das erst nach einer viel zu langen Debatte umgesetzt wurde.

Die Verbote kommen nicht von ungefähr, die hochgiftigen Neonicotinoide beseitigen nicht nur Schädlinge. Auch Honigbienen und wildlebende Insekten wie Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge leiden unter dem Einsatz der Insektengifte. Kommen Honigbienen mit Neonicotinoiden in Kontakt, werden ihre Gehirnprozesse gestört. Führt die Aufnahme der Insektengifte nicht sofort zum Tod der Tiere, wird ihre Kommunikation, Lern- und Orientierungsfähigkeit eingeschränkt. Dadurch unternehmen die Honigbienen weniger Sammelflüge, brauchen länger, um in den Bienenstock zurückzufinden, oder kehren gar nicht mehr heim. Auch die Überwinterungsfähigkeit der Honigbienen leidet unter dem Einfluss von Neonicotinoiden. Die tödliche Dosis liegt bei etwa vier Milliardstel Gramm pro Biene.

Ausserdem wird das Gift von Pflanzen aufgenommen, Rückstände davon finden sich in Wurzeln, Blättern, Blüten, in Pollen und im Nektar wieder. Auch im Wasser, das Pflanzen über ihre Blätter abgeben, ist das Gift zu finden.

Es gibt immer wieder Hinweise darauf, dass viele wildlebende Insekten auf Pestizide sogar noch empfindlicher reagieren als Honigbienen. Bei ihnen wurden Störungen des Paarungsverhaltens und der Fortpflanzungsfähigkeit nachgewiesen.

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