Warum der Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien so gefährlich ist | Anti-Spiegel

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18-10-20 09:12:00,

An Europas Grenzen tobt ein Krieg zwischen Aserbeidschan und Armenien, der kräftig von der Türkei befeuert wird und das Potenzial hat, sich zu einem Flächenbrand auszuweiten. Aber in den „Qualitätsmedien“ findet er praktisch nicht statt. Daher berichte ich darüber.

Der Krieg fordert jeden Tag Todesopfer unter Zivilisten und weil es sich bei den beteiligten Ländern um ehemalige Sowjetrepubliken handelt und in Russland viele Armenier und Aserbaidschaner leben, ist der Krieg in den russischen Medien sehr präsent. Die russische Nachrichtenagentur TASS zu lesen, ist derzeit sehr anstrengend, weil es in jeder Stunde mehrere Meldungen über alle Details der Kampfhandlungen gibt.

Bei dem Krieg geht es um die Region Bergkarabach, die sich von Aserbeidschan losgesagt hat und seit 1994 als international nicht anerkannte Republik existiert. Die Region ist umstritten und war einst von christlichen Armeniern und muslimischen Aserbaidschanern bewohnt. Im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion fanden dort ethnische Säuberungen statt, Armenier mussten aus Aserbeidschan fliehen und umgekehrt. Und auch aus Bergkarabach wurden die Aserbaidschaner vertrieben.

Aserbeidschan will das Gebiet nun gewaltsam zurückholen, das verkündet der aserbaidschanische Präsident ganz offen im Fernsehen und unterstützt wird er dabei von der Türkei. Dass Aserbeidschan den aktuellen Krieg begonnen hat, ist kaum mehr strittig.

Aber den deutschen Medien ist der Krieg relativ egal, es wird jedenfalls kaum darüber berichtet. Das dürfte daran liegen, dass er nicht dazu taugt, das anti-russische Narrativ zu bedienen, denn Russland spielt in dem Konflikt die Rolle des Vermittlers und hat es sogar geschafft, erste direkte Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien in Moskau zu organisieren. Allerdings hat der dabei geschlossene Waffenstillstand kaum eine Stunde gehalten.

Man könnte den Krieg auch nutzen, um schlecht über Erdogan zu berichten, der Aserbeidschan offen unterstützt. Aber aus irgendeinem Grund scheinen die deutschen Medien derzeit nicht allzu interessiert daran zu sein, noch schlechter über Erdogan zu berichten. Das ist bemerkenswert, denn normalerweise sind sie gegenüber Erdogan nicht so zurückhaltend.

Das lässt Raum für Spekulationen, denn der regionale Konflikt um Bergkarabach kann sich schnell zu einem großen Krieg ausweiten, in den auch der Iran und im schlimmsten Fall sogar Russland hineingezogen werden. Auf iranischer Seite schlagen immer wieder Geschosse aus Aserbaidschan ein und im Iran gibt es eine große aserbaidschanische Minderheit, die radikalisiert werden könnte.

Russland hingegen ist im Rahmen eines Verteidigungsbündnisses einiger GUS-Staaten mit Armenien verbündet und sollten sich die Kämpfe von Bergkarabach auf armenisches Gebiet ausbreiten,

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