Covid-19-Daten – Wie viele Infektionen gab es im Frühjahr?

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19-10-20 05:54:00,

Die täglich verkündeten Corona-Neuinfektionen seien – so hört man es immer wieder – Rekordwerte, größer als zum Höhepunkt der „ersten Welle“ im Frühjahr. Schon wird laut über einen zweiten Lockdown nachgedacht. Die Frühjahrsdaten werden dabei als Bezug genommen. Die aktuellen Zahlen der schweren Verläufe und Todesfälle sind jedoch deutlich geringer, als man es auf Basis dieser Daten erwarten müsste – und dies europaweit. Das ist nicht einmal erstaunlich, sind die Frühjahrswerte doch mit sehr vielen Fragezeichen versehen. Wenn man sich die Daten genauer anschaut und daraus die richtigen Schlüsse zieht, relativiert sich das Bild und die Frage nach einem zweiten Lockdown wirkt auf einmal deplatziert. Von Jens Berger.

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Am letzten Samstag vermeldete das Robert Koch-Institut 7.830 neue bestätigte Fälle von Covid-19 – mehr als zum Höhepunkt der Frühjahrswelle am 3. April, als 6.174 neue bestätigte Fälle vermeldet wurden. Direkt vergleichbar sind diese beiden Zahlen jedoch nicht. In der ersten Aprilwoche wurden unter strengen Kriterien 408.348 Tests durchgeführt, von denen 36.885 (also 9,03%) positiv ausfielen. In der letzten Kalenderwoche wurden mit 1.167.428 fast dreimal so viele Tests durchgeführt, von denen 29.003 positive ausfielen (also 2,48%). Oft wird von Seiten der Kritiker eingewandt, man teste heute zu viel. Darüber ließe sich diskutieren. Wenn es um die Stichhaltigkeit und vor allem Vergleichbarkeit der Daten geht, stellen jedoch die wenigen Tests aus dem Frühjahr das größere Problem dar.

Dies wird deutlich, wenn man versucht, die Sterblichkeit von Covid-19 einzuordnen. Hier markierte der 16. April mit 315 Verstorbenen den Höhepunkt. Während der Frühjahrswelle kamen im Schnitt auf 1.000 Neuinfektionen 128 Todesfälle. Die Sterberate ist seitdem rückläufig und seit Sommer kommen im Schnitt auf 1.000 Neuinfektionen gerade einmal vier Todesfälle. Dies ist kein rein deutsches Phänomen. In ganz Europa ist ein massiver Rückgang zu beobachten. Erklärungen dafür gibt es viele. Das geht vom Fortschritt der Behandlung bis zu einer möglichen Abschwächung des Virus. Die beliebteste Erklärung ist, dass sich im Sommer halt weniger Alte und Vorerkrankte angesteckt haben. Wenn man sich nur die offiziellen Zahlen anschaut, ist dieser Trend in der Tat zu beobachten. Aber warum sollen sich im März mehr Alte und Vorerkrankte angesteckt haben?

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