Ein Jahrhundert Anthroposophie – Band 1 • Anthroblog

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20-10-20 02:55:00,

Gerade erschienen: der erste Band einer dreibändigen Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung. Das Werk »Selbsterkenntnis in der Geschichte« bietet ein Jahrhundert Anthroposophie in verdichteter Form. Worum es geht, beschreibt die Einleitung, von der hier ein Auszug folgt.

Ein Jahrhundert AnthroposophieDie vorliegende Studie unternimmt den Versuch, eines der aufregendsten spirituellen Experimente des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive eines teilnehmenden und zugleich kritischen Beobachters im Kontext der zeitgenössischen Geschichte nachzuzeichnen und zu interpretieren. Der Standpunkt des Verfassers dieses Versuchs befindet sich aufgrund der von ihm angewandten Forschungsmethode, die nicht nur ihren Gegenstand, sondern auch die Hervorbringung ihres Gegenstandes beobachtet, zugleich innerhalb und außerhalb dieses Experiments.

Es handelt sich um einen unvollkommenen Versuch, der in vielerlei Hinsicht zu wünschen übriglässt. Die anthroposophische Bewegung ist eine Breitenbewegung, die viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens ergriffen und beeinflusst hat. Sie ist vor allem eine internationale Bewegung, lässt sich also nicht lediglich als Geschichte ihrer Entwicklung in einem Land erzählen. Die anthroposophische Gesellschaft ist eine Gesellschaft von Mitgliedern, die ihrerseits in viele weitere Geschichten von Institutionen, Gruppen und Gemeinschaften verflochten sind, die sich nicht nur durch ihren Bezug auf diese Gesellschaft, sondern auch durch ihre Zugehörigkeit zu den jeweiligen Gemeinschaften und Organisationen definieren, die sich durch eine größere oder geringere Nähe zur Gesellschaft und ihrer Leitung auszeichnen. Sowohl die räumliche Breite als auch die zeitliche Tiefe von Bewegung und Gesellschaft werden durch den vorliegenden Versuch nicht annähernd ausgeschöpft, obwohl er schon lang genug ist. Der Fokus liegt auf dem geistigen und örtlichen Zentrum von Gesellschaft und Bewegung, das – wie umstritten und problematisiert auch immer – dies bis zum heutigen Tag geblieben ist: dem kleinen Ort Dornach im Baselbieter Jura, der mit seinem Goetheanum den Ankerpunkt der Weltbewegung beherbergt.

Andererseits spiegelt sich, wie in einem Brennpunkt, das Schicksal und Selbstverständnis dieser Weltbewegung gerade an diesem Ort und von einem gewissen Gesichtspunkt aus könnte man behaupten, was sich nicht in diesem Brennpunkt und den Diskursen und Debatten spiegle, die hier ausgetragen wurden, gehöre der Bewegung, die dort zentriert ist, nicht an. Von daher scheint es gerechtfertigt, sich der Geschichte des sozial-anthroposophischen Kosmos dadurch anzunähern,

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