Sexuelle Gewalt: In der Hölle der McDonald’s-Angestellten (1)

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20-10-20 03:37:00,

McDonald’s Frankreich sieht sich mit Vorwürfen von sexuellen Übergriffen konfrontiert

Tobias Tscherrig / 20. Okt 2020 –

Eine umfangreiche Recherche deckt eine Reihe von sexuellen Übergriffen in den McDonald’s-Filialen von Frankreich auf.

Nachdem sie von mehreren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von McDonald’s, dem Kollektiv McDroits und dem Netzwerk React über alarmierende Arbeitsverhältnisse in den Filialen der französischen McDonald’s-Restaurants informiert worden waren, recherchierten die Online-Portale «mediapart» und «Street Press» während zwei Monaten über das Management in den entsprechenden Restaurants.

Die Ergebnisse sind erschreckend: Die Journalistinnen und Journalisten sammelten mehr als 78 Erfahrungsberichte von McDonald’s-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern aus Frankreich, die alle ein «schwieriges Arbeitsumfeld» beschreiben. Konkret geht es um sexistische, rassistische und homophobe Äusserungen – und um sexuelle Übergriffe.

Ein Problem, das nicht nur Frankreich betrifft: McDonald’s-Angestellte auf der ganzen Welt würden von systematischer sexueller Belästigung berichten, schreibt «mediapart». Die Rechercheurinnen und Rechercheure kritisieren die Fast-Food-Kette für ihre «organisierte Verantwortungslosigkeit». Dem Unternehmen gelinge es dank der «Zersplitterung seiner Unternehmen, die Verpflichtungen eines Arbeitgebers für eine Gruppe dieser Grösse zu umgehen.» (Mehr dazu in den nächsten Tagen im Infosperber-Beitrag «Wie McDonald’s seine Verantwortungslosigkeit organisiert».)

«Beleidigungen und sexuelle Äusserungen gehören zum Alltag»

Während der Recherche untersuchten die Journalistinnen und Journalisten mehrere Dutzend administrative und juristische Dokumente und sprachen mit fast sechzig involvierten Personen. Darunter zum Beispiel auch mit Managern, Direktoren, Franchisenehmern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hauptverwaltung, Anwälten, Gewerkschaftern sowie mit Angestellten der Fast-Food-Kette.

So trugen die Journalistinnen und Journalisten insgesamt 38 Zeugnisse von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen, die sich als Opfer von einem «gewalttätigen und sehr oft sexistischen Management» darstellen. Dazu kommen 40 Fälle, die vom Kollektiv McDroits und dem Netzwerk React gesammelt wurden.

Die Fälle, die «mediapart» auf mehreren Seiten im Detail beschreibt, sind manchmal schwer zu verdauen. Sie reichen von unangebrachten Bemerkungen oder Beleidigungen in Bezug auf Geschlecht, Herkunft, sexuelle Orientierung, Trans-Identität – bis hin zu schwerster sexueller Gewalt.

In einigen Restaurants, darunter auch Franchise-Nehmer, berichten mehrere Zeugen, dass Äusserungen mit sexuellen Konnotationen zum Alltag gehören. Eine Empfangsdame gibt zum Beispiel an, dass ihr Manager sie nur wegen der Grösse ihrer Brüste angestellt hat. Eine Mitarbeiterin einer anderen Filiale berichtet, dass ein Manager «mit sehr groben sexuellen Bemerkungen» auf sie reagiert habe.

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