Die Angst-Abhängigkeitsfalle und wie wir uns daraus befreien können | Von Franz Ruppert | KenFM.de

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21-10-20 07:25:00,

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Ein Kommentar von Franz Ruppert.

Angst als eine Conditio Humana für den Homo Sapiens

Ein wesentliches Kennzeichen für den Homo Sapiens ist sein aufrechter Gang. Dazu bedarf es eines Beckengürtels, der die Füße mit dem Oberkörper stabil verbindet. Dies bedeutet unter anderem, dass der menschliche Bauch gestreckt wird, der bei Frauen nicht nur die Eingeweide enthält, sondern auch eine Gebärmutter. Im Falle einer Schwangerschaft drückt das Kind in das Becken einer Frau und muss hier zunächst einmal bis zur Geburt zurückgehalten werden. Je schwerer das Kind wird, desto problematischer wird das. Bei der Geburt muss sich das Becken einer Frau sogar weit öffnen, damit das Kind aus dem Bauch seiner Mutter herauskommt.

Der aufrechte Gang führt dazu, dass die Tragezeit mit 266 Tagen möglichst kurz gehalten wird. Daher kommen wir Menschen noch sehr unfertig auf die Welt. Statt 18 oder 21 Monaten, die es bräuchte, damit ein Kind, ähnlich wie ein Pferdefohlen binnen Minuten nach der Geburt auf eigenen Beinen stehen und seiner Mutter hinterherlaufen kann, sind es bei uns Menschen nur knapp 9 Monate einer relativen Versorgungssicherheit im Mutterbauch. Wir Menschen sind in diesem Sinne alle eine Frühgeburt, die intensive Hilfestellungen benötigt, um nachgeburtlich nicht zu verdursten, zu verhungern und zu erfrieren. Die Geburt ist nur der Übergang von der intrauterinen Entwicklung zu einem Wachstums- und Reifungsprozess außenhalb, aber nach wie vor im engen Kontakt mit dem mütterlichen Körper.

Der Austritt aus dem Mutterkörper bringt ein enormes Risiko für ein Neugeborenes mit sich. Denn was ist, wenn seine Mutter nicht bei ihm bleibt und es im Stich lässt? Ein neugeborenes Kind, das aufgrund seiner hohen Verletzlichkeit ohnehin schnell in Todesängste gerät, hat nun zusätzlich das Problem, aufgrund seiner Abhängigkeit von seiner Mutter abgrundtiefe Verlassenheitsängste zu erleben. Seine biologische Fixierung auf seine Mutter erfährt es als fundamentale psychische Abhängigkeit von ihr.

Es ist, psychologisch gesehen, die mütterliche Grundaufgabe, ihrem Kind seine existenziellen Todes- und Verlassenheitsängste zu nehmen. Das gelingt ihr nur dann gut, wenn sie selbst die Ängste aus ihrer eigenen Kinderzeit überwunden hat und zu einer psychisch reifen Erwachsenen geworden ist.

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