«Sich zu prostituieren geht nicht ohne Drogen»

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21-10-20 01:02:00,

Ausschnitt Buchcover: Prostitution in der Schweiz © Echtzeit

Barbara Marti / 21. Okt 2020 –

Politik und Hilfsorganisationen sagen, Prostitution sei ein Job wie jeder andere. Wenn man Prostituierten zuhört, tönt dies anders.

Es gibt kaum Prostitution ohne Zwang, lautet das Fazit von SonntagsBlick-Reporterin Aline Wüst. Sie hat mit über 100 Prostituierten gesprochen und ihre Aussagen im Buch «Piff, Paff, Puff» veröffentlicht. Zuerst hörte Wüst nur Floskeln. Erst mit der Zeit vertrauten sich die Prostituierten der Reporterin an.

«Diese Tätigkeit erschüttert dich im Innersten»

Die 57-jährige Zora prostituierte sich während zehn Jahren: «Sich zu prostituieren, geht wirklich jeder Frau an die Gefühle. Wenn du einen nackten Mann vor dir hast, der geil ist und dich anhechelt – das geht nicht ohne Drogen. Diese Tätigkeit erschüttert dich im Innersten. Ich habe Interviews gelesen von Frauen, die sagen, sie könnten diese Arbeit in ihr Leben integrieren. Ich selber habe niemanden kennengelernt, der das ohne Drogen konnte – aber vielleicht gibt es ja wirklich solche.»

Die 33-jährige Bulgarin Dina erzählte, dass sie täglich eine Flasche Wein trinkt, «damit das alles besser geht». Sie wolle aufhören. Später hörte Reporterin Wüst, dass sie den Ausstieg nicht geschafft hatte, harte Drogen nimmt und völlig abgemagert ist. Eine der Kolleginnen von Dina aus dem Bordell sagte: «Ich kenne Dina schon eine Weile. Schon ihr ganzes Leben sucht sie verzweifelt nach Liebe, nach irgendjemandem, der sie liebt.» Nun sei es zu spät. «Ich glaube nicht, dass Dina noch lange leben wird.»

Mehrere Frauen erzählten Wüst, dass sie Alkohol trinken und Drogen nehmen, um den Alltag auszuhalten. Sie würden oft nicht mehr wissen, was sie im Zimmer getan haben. «Ein starkes Indiz dafür, dass ihre Psyche sie durch Abspaltung vor traumatischen Eindrücken schützt», schrieb Wüst im «SonntagsBlick».

«Diese Frauen erleben jeden Tag mehrere Vergewaltigungen»

Eine Frau, die von ihrem Freund in die Prostitution gedrängt wurde, sagte Wüst: «Wenn mich in den letzten zehn Jahren jemand gefragt hätte, ob ich das freiwillig mache, hätte ich bis zum letzten Tag gesagt: Sicher mache ich das freiwillig – keine Frau würde zugeben, dass sie für einen Mann anschafft!» Bordellbetreiberin Anna sagte Wüst: «Wenn ein Mann im Hintergrund Druck ausübt, was heute fast immer der Fall ist,

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