Verschwörungstheorien aus dem Netz – eine irreführende Kampagne zur Verteidigung der Deutungshoheit

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21-10-20 01:11:00,

Es werden immer mehr Verschwörungstheorien verbreitet und die kommen aus dem Netz. Diese beiden Thesen werden in letzter Zeit in einem aufgeregten Stakkato sowohl von klassischen Printmedien wie dem SPIEGEL als auch vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen verbreitet – erst am Wochenende hatten wir auf die ZDF-Sendung „Ein Fall für Lesch & Steffens – Die Wahrheit über die Lüge“ aufmerksam gemacht, die diese beiden Thesen wiedergibt. Haltbar sind diese Thesen jedoch nicht. Warum also diese Kampagne? Es handelt sich hierbei um ein Paradebeispiel einer Methode, die Albrecht Müller in seinem Buch „Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst“ als Wippschaukeleffekt“ bezeichnet – je düsterer Internetmedien dargestellt werden, desto heller strahlen die klassischen Medien. Es geht um die Verteidigung der Deutungshoheit und gezielt wird dabei auch auf uns. Von Jens Berger.

Bevor wir uns die Thesen näher anschauen, sollten zunächst einmal ein paar Fragen zur Definition beantwortet werden. Der Begriff „Verschwörungstheorie“ ist an sich ja ein neutraler Begriff. Er bezeichnet eine Arbeitshypothese, mit der man die Möglichkeit überprüft, dass sich mehrere Personen oder Institutionen im Geheimen verabredet, also verschworen, haben, eine Tat zu begehen. Jedem Kriminalbeamten, aber auch jedem Journalisten sollte dieser Ansatz bekannt vorkommen. Diese Definition soll hier jedoch erst einmal keine Rolle spielen, da der Begriff in der öffentlichen Debatte ganz anders verwendet wird.

Wenn in den klassischen Medien von Verschwörungstheorien die Rede ist, geht es vielmehr meist um wilde Spekulationen, die ein wenig „spinnert“ klingen und es ja meist auch sind. Dies ist durchaus im Sinn derer, die den Begriff für Kampagnen nutzen, da sich gerade diese „spinnerten“ Geschichten gut zur Meinungsmache eignen. Wer würde schon ernsthaft ein Medium verteidigen, das die These vertritt, dass die Mächtigen dieser Welt in Wahrheit außerirdische Echsenwesen sind, die die Menschheit versklaven wollen? Diese These stammt übrigens aus einem Buch des Verschwörungstheoretikers David Icke aus dem Jahr 1999 – einer Zeit, in der das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und noch niemand sich über grassierende Verschwörungstheorien beklagte. Warum eigentlich?

These 1: Es werden immer mehr Verschwörungstheorien verbreitet

An dieser Stelle eine auch nur halbwegs umfassende Übersicht zur Geschichte der Verschwörungstheorien darzustellen, würde den Rahmen sprengen. Wer sich tiefer mit der Thematik beschäftigen will, dem sei das „Lexikon der Verschwörungstheorien“ von Robert Anton Wilson empfohlen.

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