Brasilien: Nach Waldbränden und Corona-Massentod die notwendige, weltweite finanzielle und politische Isolierung des Bolsonaro-Regimes

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22-10-20 02:07:00,

Am vergangenen 10. Oktober, als die jüngste Hochrechnung der Covid-19-Pandemie das 150.000. Todesopfer in Brasilien vermeldet und die Stimmung im Lande auf ein emotionales Tief drückt, ist Präsident Jair Bolsonaro von keinerlei Beileid berührt, sondern unternimmt eine Spazierfahrt mit dem Motorrad am Strand von Guarujá bei São Paulo und lässt sich von seinen Bodyguards filmen. Auf Twitter feiern seine Anhänger die Szene mit Ausschnitten aus der Titelmusik „Born to be wild“ des Kultfilms „Easy Rider“ mit Dennis Hopper und Peter Fonda. Von Frederico Füllgraf.

Als Reaktion auf die verletzende Indifferenz gegenüber menschlichem Leben und der Natur fanden am darauffolgenden Sonntag, den 11. Oktober, in 19 Ländern, einschließlich Deutschlands, Proteste unter der Parole „Stop Bolsonaro“ statt. Seit Juni 2020 prangert die weltweite Bewegung „die Zerstörung der brasilianischen Nation an“, die von einer „faschistischen, genozidalen und ökozidalen Regierung“ gefördert werde. Einer ihrer Ableger nennt sich „defund Bolsonaro“, eine Kampagne, die das Ziel verfolgt, dem Bolsonaro-Regime die weltweiten Finanzierungs- und Investitionsmittel zu entziehen.

Wild oder pervers?

Nicht nur politische Aktivisten, sondern auch so manche Psychoanalytiker wie der kritische Deutsch-Brasilianer Christian Dunker zweifeln an Bolsonaros Geisteszustand. Doch zunehmend auch Publizisten. Bereits vier Monate nach seinem Amtsantritt prangerte die populäre El-País-Kolumnistin Eliane Brum mit dem Titel „Einhundert Tage unter der Herrschaft der Perversen“ die dystopischen, nekrophilen Züge des Regimes an. Selbst die deutsche Tagesschau bezeichnete die ersten 18 Monate von Bolsonaros Amtszeit als eine „Schreckensbilanz“.

Der Hang des Präsidenten zur Perversion drückte sich zunächst in seinen frauen-, homosexuellen-, schwarzen- und indianerfeindlichen Ausfällen aus und setzte sich fort mit der Leugnung der Covid-19-Pandemie, dem offenen Boykott sanitärer Grundmaßnahmen, der kaltblütigen Indifferenz gegenüber dem Massensterben am Virus, mit Sätzen wie „Na und?“ sowie mit seiner Umweltpolitik der verbrannten Erde. Der krankhafte Charakterzug prägt allerdings auch das Auftreten mehrerer Militärs in der Regierung, wie zum Beispiel das von Bolsonaros Vize, Amazonien-Beauftragtem und Unterhändlers mit der Europäischen Union, General Hamilton Mourão. Jüngst von der Deutschen Welle TV interviewt, leugnete der Militär nicht nur die Umweltvernichtung in Amazonien, sondern sang im Chor mit Bolsonaro eine Lobeshymne auf seinen früheren Ausbilder und angeklagten, berüchtigten Folterer der Militärdiktatur (1964-1985), Heeresoberst Carlos Alberto Brilhante Ustra, der Geständnisse erzwang, indem er weiblichen politischen Gefangenen Ratten in die Vagina jagen ließ.

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