Militarisierung der Nordsee

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22-10-20 12:47:00,

Der 3,4 Milliarden Euro teure neue Flugzeugträger HMS Queen Elizabeth. Bild: Royal Navy/Open Government Licence

Britisches Militär ist wegen der Klimaveränderung beunruhigt, weil die auftauende Arktis neue Schifffahrtswege auch für Kriegsschiffe eröffnet

Im südenglischen Marinestützpunkt Portsmouth liegt der britische Flugzeugträger “Prince of Wales” am Hafen. 3.1 Milliarden Pfund hat das Teil gekostet. Es ist einer von zwei brandneuen Flugzeugträgern der britischen Marine. Das Projekt ist nicht unumstritten. Dominic Cummings, der Chefberater von Premierminister Boris Johnson, hält beide Schiffe für Geldverschwendung. Jeder Teenager im Besitz einer Drohne könne sie im Handumdrehen versenken, unkte er dereinst auf seinem Blog.

Im November will die britische Regierung ein Review der Militärausgaben veröffentlichen. Das Führungspersonal von Royal Airforce, Army und Navy ist deshalb schon seit Monaten in heller Aufregung. Es gilt Einsparungen abzuwehren und neue Rüstungsprojekte auf Schiene zu bringen. Am 8. Oktober lud Tony Radakin, der erste Sealord und somit Oberkommandierende der Royal Navy zur Pressekonferenz auf die “Prince of Wales”. Der Ort des Geschehens war nicht zufällig ausgewählt. Radakin ging es um nichts weniger als eine Verteidigung der Daseinsberechtigung seiner Kriegsschiffe.

Mit den schmelzenden Polkappen kommen russische und chinesische Kriegsschiffe an den Polarkreis

“Der Klimawandel ist ein Problem für uns”, zitiert ihn unter anderem die Financial Times. Manchen mag ja beruhigen, dass auch die Navy das inzwischen kapiert hat. Tatsächlich sorgt sich Radakin sehr um schmelzende Polkappen, allerdings nicht so wie sich normal sterbliche Menschen sorgen, etwa weil zum Beispiel Küstenstädte mittelfristig ernsthafte Probleme durch steigende Wasserpegel bekommen werden.

Nein, Radakin geht es um anderes. Denn mit den schmelzenden Polkappen kommen die Russen und Chinesen an den Polarkreis: “Der Klimawandel öffnet neue Schifffahrtsrouten, welche es chinesischen Kriegsschiffen erlauben, schneller in atlantische Gewässer zu gelangen.” Sowohl China als auch Russland würden davon profitieren, so Radakin. Noch schlimmer: “Durch den Klimawandel werden neue maritime Handelswege über die Spitze der Erde eröffnet welche den Transitzeitraum zwischen Europa und Asien halbieren.”

Die Route entlang der Nordküste Russlands sei derzeit nur zwischen August und Oktober passierbar, dies könne sich jedoch “aufgrund wachsender globaler Temperaturen” ändern. Ein wesentlicher Aspekt dabei sei, dass Russland “derzeit aktiver im Atlantik auftritt als in den vergangenen 30 Jahren”. Das Problem daran aus der Sicht des Sealords: Der Navy fehlen die Schiffe.

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