Libanon: Sunniten und Schiiten wollen erneut Hariri

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23-10-20 10:10:00,

Libanesische Wahlkreise. Grün: Sunniten, Lila: Schiiten, Blau: Drusen, Gelb: Maroniten, Orange: Orthodoxe, Rot: Armenier. Karte: Soman. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der Politiker, der im letzten Jahr nach Massendemonstrationen zurücktrat, wird nun wieder Regierungschef

Nach Konsultationen mit den im Parlament in Beirut vertretenen Parteien hat der libanesische Staatspräsident Michel Aoun gestern Saad al-Hariri den Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung erteilt. Hariri kann sich dabei zwar auf eine Mehrheit von der insgesamt 118 Parlamentsabgeordneten stützen – aber die hat einen Mangel: ein klares moslemisches Übergewicht.

Große Christenparteien dagegen

Die christlichen al-Quwwat al-lubnaniyya, die “Libanesischen Kräfte” von Samir Geagea (die zusammen mit drei Unabhängigen Abgeordneten den Block “Starke Republik” bilden) erteilten einem Stützen einer erneuten Hariri-Regierung nämlich ebenso eine Absage wie die christliche at-Tayyar al-watani al-hurr (die “Freie Patriotische Bewegung” des Ex-Präsidenten-Schwiegersohns Gebran Bassil).

Hinter Hariri stehen nun neben dessen eigenem sunnitischen al-Mustaqbal-Block vor allem die Schiitenparteien: Parlamentssprecher Nabih Berris Amal und die Hisbollah von Hassan Nasrallah, die nicht nur im Parlament, sondern auch mit Waffen und Terroranschlägen um politische Macht ringt.

Geburtsfehler

Diese religiöse Verteilung ist insofern nicht unproblematisch, als im Libanon zwischen 1975 und 1990 ein Bürgerkrieg zwischen Milizen der verschiedenen Glaubensrichtungen tobte. Die französische Kolonialmacht, die diesen Teil der Levante nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Nachlass des Osmanischen Reichs übernommen hatte, wollte mit dem Libanon ein Land für christliche Araber errichten, was ihr jedoch nur bedingt gelang:

Die christlichen französischen Verwalter meinten es nämlich “zu gut” mit den Christen im Libanon und schlugen ihnen so viele mehrheitlich schiitische, sunnitische und drusische Gebiete zu, dass Mitte der 1970er Jahre in dem davor als “Schweiz des Nahen Ostens” gefeierten Levantestaat ein sehr blutiger Bürgerkrieg ausbrach, dessen Frontlinien vor allem anhand ethnokultureller Grenzen verliefen.

Hinzu kommt, dass die Christen im Libanon in verschiedene Konfessionen gespalten sind: Die wichtigste Gruppe sind mit 21 Prozent Bevölkerungsanteil die Maroniten, die syrisch-aramäische Riten pflegen, aber den römischen Papst als religiöses Oberhaupt anerkennen. Sie leben vor allem im Zentrum des Landes. Über das ganze Land verstreut sind die acht Prozent griechisch-orthodoxen Christen und die etwa vier Prozent Armenier. Die griechisch-katholischen Melkiten, die etwa fünf Prozent der Bevölkerung stellen, leben dagegen vor allem im Nordosten, an der Grenze zu Syrien.

Konkordanz mit Nebenwirkungen

Um die Folgen aus seinem Geburtsfehler zu begrenzen,

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