Traurige Clowns

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24-10-20 02:22:00,

In meinem Beitrag „Der Wandel der Normalität“, der am 14. Juli 2020 veröffentlicht wurde, schrieb ich noch:

„Selten war die Kluft zwischen jüngster Vergangenheit und Gegenwart so riesig groß wie dieser Tage. Der Unterschied zwischen dem Heute und dem, was vor wenigen Wochen und Monaten noch war, fiel noch nie so unübersehbar auf. Werbeanzeigen und Werbeclips zeigen eine Welt von früher, die erst vor wenigen Monaten verstorben ist. Wir sehen auf diesen Plakaten und den kurzen Werbespots fröhliche Menschen, die ohne Mindestabstand und ohne Topflappen in der Visage beisammensitzen und sich nicht voreinander fürchten. Heute existieren diese Bilder in der Realität gar nicht oder kaum.“

Diese Bemerkung verliert zunehmend an Aktualität. Nun erscheinen die Werbeanzeigen und Bilder, in denen die Menschen maskiert sind. Teils ganz offenkundig, manchmal ganz subtil.

Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Deutschen Bahn. Mit der neuen Bahncard beispielsweise erhält man diesen Flyer:

Masken1

Würde die Bahn solche Flyer an hunderttausende Kunden verschicken, ginge sie davon aus, dass in wenigen Wochen keiner mehr Masken tragen würde/müsste? Wohl kaum. Das Bild des maskierten Fahrgastes wird subtil mehr und mehr in das Bewusstsein des Bahnkunden implantiert. Auch auf dem Log-In-Interface, auf welchem man sich in Fernverkehrszügen in das WLAN einloggt, sehen wir einen maskierten Businessman vor einem Laptop sitzen. Ähnliches findet man auch auf der Seite der Bahn, die über das WLAN-Angebot in Zügen informiert. Weniger unmittelbar, aber doch äußerst subtil kann man diese Manipulation auf diesem Bahn-Plakat sehen:

Masken2

Auf den ersten Blick wird stellt man fest, dass die Schaffnerin ja offenbar unmaskiert ist. Aber wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass die im hinteren, unscharfen Bildbereich befindliche Frau maskiert ist. Hier soll wohl dem Betrachter ganz unterbewusst, auf leisen Sohlen daherkommend suggeriert werden, dass Masken zu tragen das Normalste der Welt sei. Und damit beantwortet sich auch die Frage auf dem Plakat. Ja, es läuft – leider – alles nach Plan.

Eine weitere Möglichkeit, den Maskenkult weiter zu intensivieren, ist es, den Nutzer mit Regionalität zu verlocken. So machte ich in einem Münchner Supermarkt in der ersten Woche, in der eigentlich das Oktoberfest hätte stattfinden sollen, folgende Entdeckung:

Masken3

Für die Leser jenseits des Weißwurst-Äquators: „Goscherl“ beziehungsweise „Goschen“ ist in Bayern eine abwertende Bezeichnung für „Mund“.

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