Armenien und Aserbaidschan bekämpfen sich mit Grausamkeit

armenien-und-aserbaidschan-bekampfen-sich-mit-grausamkeit

26-10-20 08:39:00,

Auf die Attacken der aserbaidschanischen Armee gegen die international nicht anerkannte „Republik Nagorni-Karabach“ antwortet die Armee Armeniens mit der Beschießung der zweitgrößten aserbaidschanischen Stadt Gjandscha. Russische Politiker weisen den Anspruch der Türkei zurück, die im Karabach-Konflikt jetzt die Rolle des „Vermittlers“ beansprucht. Von Ulrich Heyden, Moskau.

Seit drei Wochen herrscht Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien. Stepanakert, die Hauptstadt der international nicht anerkannten „Republik Nagorni-Karabach“ (RNK), wird von den aserbaidschanischen Truppen immer wieder mit Raketen bombardiert.

Ziel der aserbaidschanischen Führung ist es, die seit 1991 faktisch unabhängige, aber international nicht anerkannte „Republik Nagorni-Karabach“ wieder in den aserbaidschanischen Staat einzugliedern. In der RNK leben seit alters her vor allem Armenier. Zwei – unter Vermittlung von Russland zustandegekommene – Waffenstillstände wurden innerhalb kurzer Zeit gebrochen.

In Nagorni-Karabach leben 150.000 Menschen. Bei einer Volkszählung im Jahr 2005 waren 99 Prozent der RNK-Einwohner Armenier. Dass es 1991 zu der Gründung der RNK gekommen war, hing zusammen mit einem anti-armenischen Pogrom in der aserbaidschanischen Stadt Sumgayit im Februar 1988. Von 1923 bis 1991 war Nagorni-Karabach ein autonomes Gebiet im Bestand der Sozialistischen Sowjetischen Republik Aserbaidschan.

Exakte Zahlen über Verletzte, Tote und Kriegsgefangene während des drei Wochen dauernden Krieges gibt es nicht. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte am Donnerstag, der Krieg habe bisher 5000 Menschen das Leben gekostet. Das ist eine sehr hohe Zahl. Doch aus den Hauptschlagzeilen ist der Krieg um Nagorni-Karabach verschwunden.

Russland versteht sich in dem Konflikt als Vermittler. Russland hat in den letzten Jahrzehnten Waffen sowohl an Aserbaidschan als auch Armenien geliefert. Die russischen Medien bemühen sich um eine neutrale Berichterstattung zu dem Konflikt im Südkaukasus.

Auch US-Präsident Donald Trump, Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Vertreter der EU-Kommission vermeiden einseitige Schuldzuweisungen. Auffällig ist aber, dass westliche Politiker die Türkei nicht für ihre kriegstreiberische Rolle schelten. Immerhin ist die Türkei Mitglied der Nato. Wegen der vornehmen Zurückhaltung der westlichen Politiker fragte der Präsident von Armenien, Armen Sarkisjan, gegenüber dem US-Journal Politico, ob die Nato der Türkei „grünes Licht“ gegeben habe.

Sarkisjan flog am Mittwoch nach Brüssel, um sich mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg und dem Verantwortlichen in der EU-Kommission für Sicherheitspolitik, Josep Borell, zu treffen. Wie der Pressedienst des armenischen Präsidenten mitteilte, wollte Sarkisjan die „Aggression gegen Nagorni-Karabach“ und „die Raketenangriffe von Seiten Aserbaidschans auf Orte in der Republik Armenien“ ansprechen.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: