Pragma statt Dogma – Die Wochenschrift

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26-10-20 07:36:00,

Volkert Engelsman gründete 1990 mit seinem Studienfreund Willem van Wijk den europäischen Marktführer im Import von Bio-Obst Eosta und zählt zu den Pionieren im neuen Wirtschaften. Ein Gespräch mit dem Unternehmer und Visionär anlässlich der Tagung ‹Was zählt?› der World Goetheanum Association. Die Fragen stellte Wolfgang Held.

Das Gesicht hinter dem Produkt zeigen, so nennt ihr eure Anstrengung um Transparenz. Was heißt das?

Wir wissen es alle, vergessen es aber dennoch ständig: Wenn wir heute im Supermarkt einkaufen, dann sind die Lebensmittel deshalb so billig, weil versteckte Kosten durch Schadstoffemissionen, Abwasser, den Einsatz von Pestiziden, Lohndumping oder die Folgekosten für unser Gesundheitssystem durch die Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten nicht darin enthalten sind. Auf 4,8 Milliarden Dollar jährlich schätzt die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen diese externalisierten Kosten. Sie entstehen bei der Herstellung und dem Vertrieb der Waren, werden aber nicht bezahlt, scheinbar nicht bezahlt. Denn die Umweltzerstörung, die sozialen Unruhen, die als Folge der abgewälzten Kosten entstehen, kommen zurück. Wir zahlen es zum Beispiel durch höhere Krankenversicherungsbeiträge, denn mehr als die Hälfte aller Krankheiten rühren von schlechten Lebensmitteln. Wie aber ist es heute: Je weniger Verantwortung ein landwirtschaftlicher Betrieb für Mensch und Umwelt übernimmt, je gedankenloser er mit Ressourcen umgeht, desto größer der scheinbare ‹Gewinn›, den er abwirft. Es geht also darum, den echten, den korrekten Preis zu zeigen. Dann sehen wir, dass ökologisch hergestellte Produkte ökonomisch weitaus sinnvoller sind.

Was hat euch auf diesem Weg überrascht?

Das enorme Echo in der Gesellschaft. In der gleichen Zeit, als wir begannen, bei Ananas oder Mangos den ökologischen und sozialen Fußabdruck, die wirklichen Kosten, sichtbar zu machen, stieg auch das Interesse dafür in der Gesellschaft, in der Finanzwelt, in den Arbeitskreisen der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen und bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Das bestärkte uns natürlich, zusammen mit diesen Partnern die Biografie der Nahrungsmittel und die Nachhaltigkeitsleistungen unserer Erzeuger und Produzentinnen immer ausführlicher zu erfassen und in einen neuen Wirtschaftsansatz umzusetzen.

Wo musst du als Importeur deine Partner vor zu viel Transparenz schützen?

Selbstverständlich fragt nachhaltige Entwicklung nach einem gewissen Maß an Vertraulichkeit. Offen sein über Entwicklung heißt auch, dich verwundbar aufstellen. Da muss man verantwortungsvoll damit umgehen. ‹Dream – Dance – Deliver› geben, auf Deutsch: Entwickeln – Tanzen – Handeln. Um einen sinnvollen Fußabdruck auf der Erde zu hinterlassen (deliver),

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