Neue Indizien für die Abschwächung des Golfstroms

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27-10-20 01:40:00,

Die Meeresströmungen um Nordamerika 2005 bis 2007, der Golfstrom ist gut sichtbar.. © NASA Goddard Space Flight

Golfstrom und Nordatlantikstrom © Bildungswiki Klimawandel

Eine Kälteblase im Nordatlantik ist wahrscheinlich auf den nachlassenden Golfstrom zurückzuführen. © Christopher Piecuch

Der Jetstream über Europa am 5. Oktober 2020 © Flämingwetter

Daniela Gschweng / 27. Okt 2020 –

Der Golfstrom wird schwächer, konkrete Messungen jedoch gibt es wenig. Zwei neue Studien liefern weitere Indizien.

Klimamodelle prognostizieren schon seit vielen Jahren die Abschwächung des Golfstroms durch die Klimakrise. Festzustellen, wie es dem Golfstrom tatsächlich geht, scheiterte bisher daran, dass es zu wenige Daten gibt. Die Stärke des Golfstroms wird erst seit 16 Jahren gemessen, dabei zeigt sich eine schwache Abnahme. Um eine eindeutige Tendenz festzustellen, ist das zu kurz.

Dem Ozeanografen Christopher Piecuch ist es vor kurzem gelungen, den Zeitraum durch eine indirekte Messmethode auf die letzten 110 Jahre auszudehnen. Der Wissenschaftler nutzte dazu die Auswirkung der Corioliskraft. Falls Sie sich aus dem Physikunterricht noch erinnern: Die Corioliskraft basiert auf der Erdrotation und ist der Grund, warum Wasserwirbel auf der Süd- und Nordhalbkugel jeweils rechts- beziehungsweise linksherum wirbeln.

Mit Tidemessungen den Golfstrom berechnet

Das Wasser am äusseren Rand des Wirbels steht dabei höher als in der Mitte, der Höhenunterschied ist vom Durchfluss abhängig. Das gleiche Phänomen gibt es auch bei Meeresströmungen wie dem Floridastrom, der zum Golfstrom gehört. Dort wird die Meereshöhe seit mehr als 100 Jahren an verschiedenen Stellen erfasst. Nach Piecuchs Berechnungen, die er im Mai 2020 in «Nature Communications» publiziert hat, hat der Floridastrom seit 1909 merklich an Stärke eingebüsst. Die Rekonstruktion stimmt mit den gemessenen Werten überein.

Golfstrom und Nordatlantikstrom (Bildungswiki Klimawandel)

Der Golfstrom, der im Golf von Mexiko beginnt, transportiert grosse Mengen warmes, salzreiches Wasser an den USA entlang nach Norden, überquert dann den Atlantik und wird dort zum Nordatlantikstrom, der sich in zwei Teile teilt. Der nördliche Ausläufer streift Europa und taucht bei Spitzbergen wieder ab, weil das salzreiche Wasser, das er mitbringt, schwerer ist als salzarmes. Kaltes, salzärmeres Wasser fliesst dafür in der Tiefe zurück nach Süden.

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