„Bürgerkriegsatmosphäre in Frankreich” – Eskalation durch Politik gegen „islamischen Separatismus“?

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29-10-20 07:14:00,

Nach einer Reihe von mutmaßlich islamistischen Anschlägen in Nizza, Paris und Dresden verurteilt der staatliche türkische Verband „Ditib“ in Deutschland die Attacken, beklagt aber auch „staatliche Repressionen“. Islamkritiker Ghadban sieht hingegen das Problem in den islamischen Verbänden selbst und spricht von einem „Bürgerkrieg in Frankreich“.

Die „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.“ (Ditib) verurteilt die Serie von mutmaßlich islamistischen Anschlägen in Nizza, Paris, und Dresden:

„Die menschenverachtenden Verbrechen von Nizza, Paris und Dresden schockieren uns zutiefst. Menschen bestialisch zu enthaupten, zeugt von äußerster Menschenfeindlichkeit. Den Angehörigen der Opfer gilt unser tiefstes Mitgefühl. Den Tätern gilt unsere Verachtung.“

Die Menschen in Frankreich und Deutschland seien ständig mit Terror konfrontiert – in der Vergangenheit und in der Gegenwart. „Seien es nun Daesch-Terroristen, religiöse Fundamentalisten aller Couleur, islamfeindliche oder rechtsradikale Terroristen. Wir unterscheiden nicht zwischen ihnen, denn es ist die gleiche Quelle: Hass.“ Der Verband appelliert an die Christen und Muslime, sich nicht spalten zu lassen und spricht von einem „Flächenbrand gegenseitiger Hetze, Gewalt und Hass“, der gebrochen werden müsse.

Ditib: verallgemeinernde Rhetorik treffen meist Unschuldige

Doch offenbar sieht Ditib auch eine Verantwortung für die Gewalt bei den staatlichen Stellen in Frankreich und der Bundesrepublik: „Die Menschheitsgeschichte hat uns allen gezeigt, dass Gewalt immer Gegengewalt erzeugt. Staatliche Repressionen und verallgemeinernde Rhetorik treffen meist die Unschuldigen und die Friedfertigen. Diese Spirale übergriffiger Rhetorik und Gewalt kann nur durch Besonnenheit und gemeinsame Deeskalation gebrochen werden. Dabei sind sowohl Meinungsfreit, als auch Religionsfreiheit unabdingbar. Freiheit bedeutet dabei jedoch auch, verantwortungsvoll damit umzugehen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Ditib. Welche Repressionen und Aussagen hier konkret bemängelt werden, wird aus der Mitteilung nicht ersichtlich.

Schwere Eskalation eines Streits zwischen Macron und Erdogan

Nach dem brutalen Mord am Lehrer Samuel Paty durch einen mutmaßlichen Islamisten hatte der französische Präsident Emmanuel Macron mehrmals die Meinungsfreiheit und Veröffentlichung von Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed in der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ verteidigt. Der Lehrer hatte im Unterricht die Bilder als Beispiel für Meinungsfreiheit gezeigt.

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AFP 2020 / PASCAL GUYOT

Macron stellte Maßnahmen im Kampf gegen „islamistischen Separatismus“ vor. Es gehe darum, einen „Islam der Aufklärung“ aufzubauen und ihn von ausländischem Einfluss zu befreien. Auch die Finanzierung von Moscheen soll stärker kontrolliert werden.

Die Äußerungen des französischen Staatschefs zur Meinungsfreiheit und zum Islam hatten zwischen Frankreich einerseits und der Türkei sowie anderen muslimischen Ländern andererseits für Missstimmung gesorgt.

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