Kultur im Lockdown

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29-10-20 07:09:00,

Schotten dicht heißt es ab Montag für Bars, Clubs, Kneipen, Museen, Theater, Opernhäuser und Kinos. Aus „Lockdown Light“ wird nun doch ein fast kompletter Stillstand des gesellschaftlichen Lebens. Zehntausende Betriebe und Soloselbstständige bangen um ihre Existenz. Denjenigen, die noch Arbeit haben, steht ein freud- und kulturloser November bevor.

Ausgerechnet am Mittwoch, zeitgleich mit der Lockdown-Sitzung von Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten der Bundesländer, zog die zweite Demo des Kultur-Aktionsbündnisses „Alarmstufe Rot“ am Regierungsviertel vorbei. Während draußen Musiker, Schauspieler und Veranstalter um ihre Existenz trommelten, verkündeten Merkel und Co. im Kanzleramt für Kultur und Gastronomie den totalen Lockdown, nicht nur „light“. Die Künstler wurden schlicht ignoriert.

Alles umsonst?

Besonders hart trifft es, wie schon beim ersten Lockdown, Restaurants, Hotels und Kulturbetriebe.

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AP Photo / Michael Sohn

Viele Gastronomen und Veranstalter haben gerade erst in kostspielige Hygienekonzepte, von Luftfiltern bis zu Heizpilzen investiert. Kneipen, Bars, aber auch Fitnessstudios und Museen haben über Monate hinweg unter erheblichem Extra-Aufwand an Personal und Geld immer absurdere Auflagen erfüllt – umsonst.

Viele Restaurants und Kulturstätten haben auch ohne Lockdown die letzten Monate am Rande des Defizits gewirtschaftet. Kinos und Theater, die nur 20 Prozent der Plätze verkaufen dürfen oder Restaurants, die am Abend nur 200 Euro Umsatz machen auf fünf Angestellte, können sich auf Dauer nicht rechnen.

Nicht systemrelevant?

Alles nur Randgruppen? Nicht systemrelevant? In der Gastronomie erwirtschaften immerhin rund 2,4 Millionen Menschen in 220.000 Betrieben knapp 90 Milliarden Euro. Es wird geschätzt, dass ein Drittel der Betriebe den zweiten Lockdown nicht überstehen wird.

In der Kreativ- und Veranstaltungsbranche sind weit über 1,5 Millionen Menschen tätig, die in normalen Zeiten einen jährlichen Umsatz von mehr als 130 Milliarden Euro generieren. Das rückt die Branche durchaus in die Nähe der Automobil- oder der Bauwirtschaft, die als systemrelevant eingestuft wurden und vom Staat Milliarden-Finanzspritzen kassierten.

Ralf Schumacher: „Das ist absolut nicht akzeptabel!“

Die Nerven liegen blank, gerade bei den Gastronomen. Kaum eine Branche ist in den letzten Monaten so stigmatisiert worden. Ralf Schumacher, Ex-Rennfahrer und inzwischen selbst Gastronom, machte sich am Mittwoch auf Instagram Luft und sagte:

„Die, die sich an alles gehalten, alle registriert haben und wo nachweislich nichts passiert ist, die müssen jetzt wieder leiden und werden wieder geschlossen. Das ist absolut nicht akzeptabel!“

Schumacher geht bestimmt nicht Bankrott in dieser Krise.

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