„Im Grunde kann ich jetzt Flaschen sammeln gehen“ – ein Interview mit dem DJ- und Konzertveranstalter Benny Ruess

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30-10-20 09:06:00,

Unter dem Motto „Die im Dunkeln sieht man nicht“ sammeln die NachDenkSeiten zurzeit Erfahrungen und Sichtweisen von denen, die unter den Corona-Maßnahmen am stärksten leiden und deren Schicksale in der medialen und politischen Debatte kaum Beachtung finden. Dazu gehört vor allem die Musik- und Clubszene. NachDenkSeiten-Redakteur Jens Berger hatte die Gelegenheit, sich dazu mit dem Hamburger DJ und Konzertveranstalter Benny Ruess zu unterhalten. Seine Schilderungen sind niederschmetternd und die Prognose lässt wenig Hoffnung auf ein Licht am Ende des Tunnels.

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Hallo Benny. Da die meisten NachDenkSeiten-Leser sicher nicht zur norddeutschen Club- und Indie-Szene gehören, sollten wir Dich erst einmal vorstellen. Zusammen mit Marco Flöß hast Du 2001, also vor fast 20 Jahren, das Projekt „Revolver Club“ ins Leben gerufen, das seitdem in Hamburg und im norddeutschen Raum eine feste Größe für tanzfreudige Fans der Indiemusik ist. Mehrfach im Monat habt ihr in wechselnden Clubs unter eurem Label aufgelegt oder kleine Konzerte veranstaltet. Und dann kam Corona. Der letzte Termin auf eurer Internetseite ist der 22. März. Hattest Du damals gedacht, dass die unfreiwillige Pause so lange dauern wird?

In meinen kühnsten Träumen hatte ich damals nicht damit gerechnet. Die Veranstaltung vom 22. März wurde ja auch schon eine Woche vorher gecancelt. Dann brach Tag für Tag die Planung für den Rest des Jahres zusammen.

Hattet ihr seitdem irgendwelche Auftritte?

Nein, durch den Lockdown waren Soloselbstständige in der Musik-Veranstalterbranche wie ich ja eh mit die ersten, die komplett alles runterfahren mussten. Im März war aber für die Branche noch nicht abzusehen gewesen, dass die Pandemie in dieser drastischen Form noch länger als August vorhalten würde. Darum hatte ich, wie auch viele andere in der Kultur- und Veranstaltungsbranche, erstmal die Füße stillgehalten.

Du betreibst Deinen Job ja als Selbstständiger. Wenn ich mir Deinen alten Veranstaltungskalender so anschaue, würde ich schon schätzen, dass man davon auch gut leben kann. Und von einem Tag auf den anderen war Lockdown und die Clubszene ist seitdem ja durch die fortlaufenden Maßnahmen im Grunde klinisch tot. Brachen damit für Dich auch von einem Tag auf den anderen sämtliche Einnahmen weg?

Absolut,

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