Die fremdbestimmte Betreuung

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31-10-20 10:37:00,

Tatsächlich werden die Eltern aber gar nicht gefragt, was sie selbst wollen. Es wird einfach ein hoher Geldbetrag zur Finanzierung von Krippenplätzen bereitgestellt und die Krippenbetreuung als „Angebot“ bezeichnet. Wer dieses „Angebot“ nicht wahrnimmt, geht leer aus. Das ist keine Politik der „Vereinbarkeit“, sondern eine Politik des „Friss oder stirb!“

Dieses Vorgehen hat inzwischen dazu geführt, dass laut Mitteilung des Statistischen Bundesamts vom September 2020 die „Betreuungsquote“ für Kinder unter drei Jahren (U3) auf 35 Prozent gestiegen ist. Sie ist bei unter einjährigen Kindern niedriger, bei Ein- bis unter Dreijährigen entsprechend höher. Allerdings ist schon der Begriff „Betreuungsquote“ im Grunde irreführend. Es wird ja damit vermittelt, dass die Versorgung durch die Eltern keine Betreuung sei. Richtiger sollte es also „Fremdbetreuungsquote“ heißen. Über alle drei Jahre hinweg ist diese Quote in den neuen Bundesländern noch wesentlich höher, da in der DDR die Fremdbetreuung unter drei Jahren Standard war.

Geradezu verlogen ist die Behauptung, die Betreuung in einer Krippe sei „frühkindliche Bildung“. „Bildung“ im schulischen Sinne findet im U3-Alter noch gar nicht statt. In diesem Alter ist es dagegen besonders wichtig, dass Kinder Urvertrauen zu festen erwachsenen Bezugspersonen gewinnen, wofür die Eltern am geeignetsten sind. Erst dann kann ein Kind das Selbstbewusstsein entwickeln, das späteres Neugierverhalten, Lernwillen und Lernfähigkeit ermöglicht. Zumindest ist das die Auffassung nahezu aller Fachleute, die sich mit der Entwicklung kleiner Kinder beschäftigen.

Die größte Studie, die sich bisher mit den Auswirkungen der Fremdbetreuung von Kleinkindern beschäftigt hat, ist die Studie des amerikanischen Forschungsinstituts National Institute of Child Health and Developement (NICHD) in den USA. Dabei ergaben sich größere Risken für die spätere Entwicklung der Kinder, je früher und je länger sie in Fremdbetreuung waren (1). In einer Nachun-tersuchung zur NICHD-Studie, die sich mit inzwischen 15-Jährigen beschäftigte, wurde bei fremd-betreuten Kindern eine Häufung von Alkohol- und Drogenkonsum, von Rauchen, Waffengebrauch, Stehlen und Vandalismus festgestellt. Darauf weist Gisela Geist in einer Zusammenfassung vieler Studien hin (2).

Mit dem gleichen Thema beschäftigt sich ein Beitrag des Kinderarztes Rainer Böhm in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) (3). Aufschlussreich ist des Weiteren eine Resolution, die von mehreren Kinderpsychologen und Psychotherapeuten unterzeichnet wurde und für eine Förderung der elterlichen Betreuung statt der Fremdbetreuung eintritt (4). Einer der Unterzeichner, der Psychotherapeut Hans-Joachim Maaz, der die Folgen der Krippenbetreuung aus langer DDR-Erfahrung kennt, kritisiert scharf,

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