Die Krise des Westens: Chance für einen neuen Humanismus?

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31-10-20 09:08:00,

Der sich abzeichnende geopolitische Machtverlust des Westens, die Entwicklung bedrohlicher neuer Technologien und die sich immer weiter beschleunigende Konzentration von Reichtum und damit politischer Macht verändern die Zivilisation nachhaltig. Am Horizont erscheint eine feudale Klassengesellschaft, die von einer hochtechnologischen Überwachungsmaschinerie flankiert wird. Sind Allianzen möglich, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten?

HAUKE RITZ, 31. Oktober 2020, 0 Kommentare

Drei Megatrends und ihre verhängnisvoll verketteten Konsequenzen

Neben der aktuellen Pandemie gibt es in der heutigen Welt eine Anzahl weiterer besorgniserregender Entwicklungen. An erster Stelle wäre die geopolitische Machtverschiebung zu nennen, die sich im Aufstieg Ostasiens und insbesondere Chinas in Verbindung mit dem ständigen Niedergang der Vereinigten Staaten und des Westens im Allgemeinen manifestiert. Dieser Trend birgt die Gefahr einer militärischen Eskalation in sich, die sogenannte Thukydides-Falle. Die Geschichte zeigt deutlich, dass solche geopolitischen Machtverschiebungen nicht selten mit dem Risiko einer grundlegenden Zivilisationskrise verbunden sind.

Ein weiterer beunruhigender Trend, mit dem wir gegenwärtig konfrontiert sind, besteht in der Entwicklung einer Reihe neuer Technologien, welche sich bereits am Horizont der Geschichte abzeichnen und die von der künstlichen Intelligenz, über Data Mining, 5G und das Internet der Dinge bis zur Gentechnik reichen und in nicht allzu ferner Zukunft vielleicht sogar durch den Quantencomputer ergänzt werden könnten. Besorgniserregend an diesen neuen Technologien ist vor allem, dass im Moment vieles darauf hindeutet, dass sie dem humanistischen Fundament der europäischen Zivilisation widersprechen und es zu untergraben scheinen. Denn der Begriff der Privatsphäre und damit der Freiheit, der für die politische Philosophie Europas und sein Menschenbild von zentraler Bedeutung ist, ist mit der Umsetzung dieser Technologien unvereinbar.

Ein dritter beunruhigender Trend, mit dem wir es zu tun haben, ist nicht nur eine ungeheure Konzentration an Vermögen, sondern auch die Beschleunigung seines Wachstums. Während der aktuellen Viruskrise haben amerikanische Oligarchen wie zum Beispiel Bill Gates, Eric Schmidt und Michael Bloomberg bereits so gehandelt, als seien sie staatliche Institutionen, denen es gemeinsam obläge, die Welt nach der Coronakrise zu planen. (1) Erst kürzlich kursierte in den Zeitungen die Nachricht, dass der Gründer und Chef von Amazon, Jeff Bezos, während der Coronakrise einen so dramatischen Anstieg seiner Einkünfte erfahren habe, dass er in sechs Jahren, nämlich im Jahr 2026, der erste Billionär (englisch: Trillion, 10 hoch 12) der Menschheitsgeschichte sein wird. (2)

Um die Größe dieses Vermögens zu veranschaulichen: Diese Summe ist ca.

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