Israel, Sudan, Trumps Wiederwahl und das Ende der Welt

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31-10-20 10:36:00,

Donald Trump strich im Eilverfahren den Sudan von der US-Liste der Terrorunterstützer, so dass Israel nach den Emiraten und Bahrain nun auch mit Khartum einen historischen Friedensprozess einleiten kann. Der Grund für diesen übereilten Schritt ist einzig und allein die US-Präsidentschaftswahl nächste Woche, bei der Trump in den Umfragen klar hinter Joe Biden liegt. Um diesen Zusammenhang verstehen zu können, müssen die ultrakonservativen Evangelikalen in den Fokus gerückt werden. Denn ohne diesen mächtigen Wahlblock ist Trumps Wiederwahl ausgeschlossen. Das Mittel, um den Support der Evangelikalen zu sichern, ist die Bedienung ihrer apokalyptischen, zutiefst antisemitischen Endzeit-Agenda. Von Jakob Reimann.

Seit bald drei Jahrzehnten ist der Sudan ein Paria der Staatengemeinde. Er wird international geächtet für den ersten Genozid im 21. Jahrhundert: den Völkermord in Darfur, dem bis zu einer halben Millionen Menschen zum Opfer fielen. Gegen Diktator Omar Al-Bashir, der das Land bis zu seinem Sturz im April 2019 30 Jahre lang mit harter Hand regierte, wurde 2008 beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ein Haftbefehl ausgesprochen – damit erstmals gegen ein amtierendes Staatsoberhaupt. (Die Führer der Saudi-Emirate-Koalition als Verantwortliche des zweiten Genozids im neuen Jahrtausend, den im Jemen, müssen hingegen weder Ächtung noch juristische Verfolgung fürchten – ebenso wenig die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und Deutschland als größte Komplizen.) Der Sudan steht schon seit 1993 auf der Liste der Terrorismus unterstützenden Staaten des US-Außenministeriums, aktuell neben Nordkorea, Iran und Syrien. Der Regierung in Khartum wurde damals vorgeworfen, palästinensischen und libanesischen Kämpfern Unterschlupf zu gewähren, sowie später, Al-Qaida bei den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 und den Angriff auf die USS Cole im Jemen 2000 unterstützt zu haben.

Die Trump-Administration hat nun entschieden, der Sudan ist kein Terrorunterstützer mehr und nach den historischen Friedensverträgen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain wird auch Israel Beziehungen zum einstigen Aussätzigen aufnehmen. Wie können diese Ereignisse eingeordnet werden? Und vor allem: Warum die Eile?

Die Arroganz der Macht

Am Montag vergangener Woche verkündete US-Präsident Trump – natürlich – via Twitter, der Sudan werde von der US-Liste der Terrorunterstützer gestrichen. Ganz im Stil des transaktionalen US-Präsidenten lautet die Vorbedingung, der Sudan müsse für die Angehörigen der Opfer der drei oben genannten Terroranschläge 335 Millionen US-Dollar in einem Treuhandkonto hinterlegen.

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