Social Bots und Lauschangriffe auf das private Leben

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01-11-20 12:05:00,

© cc Philipp Marquetand Pixabay

Wenn Dinge mit uns reden

Heinz Moser / 01. Nov 2020 –

Meldungen im Netz werden immer häufiger durch Maschinen erzeugt. Die Hintergründe zeigt ein neues Buch von Christoph Drösser auf.

Bei der Berichterstattung zu den US-Wahlen tauchen häufig Berichte über Trolle und Bots auf, die Falschnachrichten verbreiten. Schon bei der Wahl Donald Trumps von 2016 war das Internet in Verruf geraten. Automatisierte Programme – sogenannte «Chat-Boots» – versuchten, die Wahlen mit Falschmeldungen zu beeinflussen. Christoph Drösser berichtet in seinem eben erschienen Buch «Wenn Dinge mit uns reden»: Rund 400 000 Bots seien damals auf Twitter aktiv gewesen und 19 Prozent der politischen Tweets hätten von Computern gestammt. Beunruhigend sei die Ausrichtung solcher Bots. Sie sollten die Wähler nicht mit Argumenten zu neuen Einsichten bringen, sondern sie durch Falschmeldungen beeinflussen und gegeneinander aufbringen. Es seien geeignete Werkzeuge, um extreme Positionen und Verschwörungstheorien zu fördern.

Aber auch im Journalismus können Kurznachrichten von einer Software aus Textbausteinen zusammengesetzt werden, ohne dass wir es merken. Dazu eignen sich, so Drösser, Unternehmensbilanzen, Sportereignisse, Wetter, Verkehrsstaus etc. Kurz: alles Themen, wo strukturierte Daten vorliegen, welche der Computer aus den vorformulierten Textbausteinen nur noch zu einer Geschichte zusammensetzen muss.

Bots und Sprachassistenten sind nicht nur politische Instrumente

Das Buch von Drösser zeigt, dass das Thema der automatisierten Computerkommunikation weit über die politische Diskussion um die Social Bots hinausgeht. Wer das Internet nutzt, trifft immer häufiger auf automatisierte Sprachassistenten, die in Webseiten integriert sind. Wenn Firmen Online-Kundendienste anbieten, steckt dahinter nicht mehr eine Telefonberatung, sondern öfters ein solcher Assistent. Nach Drösser verbergen sich dahinter oft relativ simpel gestrickte Programme, welche die Anfrage des Nutzers auf wichtige Stichworte hin durchsuchen und aus dem Vorrat an Standardantworten eine passende heraussuchen.

Es handelt sich dabei um regelbasierte Chatbots, deren gesamtes Verhaltensrepertoire programmiert werden muss. Das Buch beschreibt, wie sich die Szene der Sprachassistenten in den letzten Jahren jedoch rasant weiterentwickelt hat. Stichwörter dazu sind «Deep Learning» und «neuronale Netze». Solche Systeme basieren nicht mehr auf Regeln, sondern auf statistischen Mechanismen. Die neuronalen Netze der künstlichen Intelligenz lernen, Wörter zu erkennen und korrekte Sätze zu identifizieren, weil sie mit unzähligen korrekten Sätzen trainiert worden sind. Grosskonzerne wie Amazon, Google und Apple verfügen bereits über riesige Datensätze,

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