Stefania Maurizi zu Assange: “Das ist ein unglaubliches Versagen des Journalismus”

stefania-maurizi-zu-assange:-“das-ist-ein-unglaubliches-versagen-des-journalismus”

03-11-20 09:13:00,

Die italienische Investigativ-Journalistin Stefania Maurizi spricht über die Enthüllung geheimer Informationen, die Arbeit mit WikiLeaks und den Mut, den es braucht, um gegen mächtige Feinde vorzugehen. Von Nadja Vancauwenberghe und John Brown. Das Interview ist auf dem Medium „Exberliner“ erschienen, übersetzt wurde es von Ingrid Koschmieder.

Die italienische Journalistin Stefania Maurizi hat für einige der Top-Publikationen des Landes gearbeitet, darunter la Repubblica, l’Espresso und jetzt Il Fatto Quotidiano. 2009 begann sie, mit Julian Assange und WikiLeaks an Geheimakten über den Krieg in Afghanistan, die US-Diplomatendepeschen und Guantanamo-Häftlinge zu arbeiten. Darüber hinaus untersuchte sie streng geheime Akten, die von Whistleblower Edward Snowden durchgesickert waren. Dabei deckte sie u.a. schwerwiegende Fälle von Umweltverschmutzung in Italien und die Ausbeutung pakistanischer Arbeiter in einer Fabrik auf, die unter anderen von einem italienischen Unternehmen betrieben wurde.

Maurizi war Zeugin in den Auslieferungsanhörungen von Assange in den vergangenen Wochen. Während eine Londoner Richterin darüber nachdenkt, ob sie den WikiLeaks-Gründer an die USA ausliefern soll, sprachen wir mit ihr über ihre Erfahrung, sich mächtige Feinde zu machen, über das, was sie als Verleumdungskampagnen gegen WikiLeaks und diejenigen, die mit WikiLeaks arbeiten, bezeichnet – und darüber, warum Assange Berlin nie hätte verlassen dürfen.

Wie sind Sie mit WikiLeaks in Kontakt gekommen?

2008 arbeitete ich für eines der führenden italienischen Nachrichtenmagazine l’Espresso. Ich hatte bereits als investigative Journalistin gearbeitet, und als ich mir WikiLeaks-Publikationen wie das Guantanamo Standard Operating Procedure-Dokument ansah, war ich wirklich beeindruckt. Das Dokument war von der American Civil Liberties Union angefordert worden, und das Pentagon hatte den Zugang verweigert. WikiLeaks war in der Lage, das Dokument zu erhalten, und nicht nur das, sie hatten dem Pentagon auch gesagt, dass sie es nicht von ihrer Website entfernen würden. Für mich war das wirklich wichtig, denn dadurch wurde mir klar, wie viel Mut die Menschen hinter WikiLeaks hatten. Das war etwa zu der Zeit, als die New York Times Lügen über den Irak-Krieg veröffentlichte. Die Washington Post hat die Geschichte über die geheimen Gefängnisse der CIA veröffentlicht, aber sie hatte die Namen der osteuropäischen Länder, in denen sich die Gefängnisse befanden, nicht veröffentlicht, weil die Bush-Regierung darum gebeten hatte, dass sie nicht veröffentlicht werden sollten, und die CIA fortfuhr Menschen in diesen geheimen Gefängnissen zu foltern.

Als mir klar wurde, dass es eine Medienorganisation gab,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: