Von Regenmachern und anderen Merkwürdigkeiten | KenFM.de

von-regenmachern-und-anderen-merkwurdigkeiten-|-kenfm.de

03-11-20 02:16:00,

Von Dirk C. Fleck

Über meiner Couch hängt die gerahmte Fotografie eines etwa vierjährigen Hopi-Jungen in Plakatgröße. Seit 27 Jahren geistert das Bild durch meine Räume. Küche, Bibliothek, Flur, Schlafzimmer und zurück ins Wohnzimmer – der Junge kennt sich bei mir aus, er hat schon alles in Betracht gezogen mit seinen schwarzumflorten Augen. Eine große dunkle Fläche ist es, aus der er schaut. Jeder von uns, der auf diese Weise bemalt worden wäre, hätte einen ähnlich melancholischen Eindruck vermittelt, wie dieser Knabe, der teilnahmslos in die Kamera guckt.

Ich hatte das Bild während meines Besuches Anfang der Neunziger im Souvenir-Shop des Moenkopi Legacy Inn & Suites entdeckt. Der Bau war einer Vision geschuldet, die den Stammesältesten jahrelang umgetrieben hatte. Er wollte einen Ort der Gastfreundschaft für die Besucher des Hopi-Stammesgebietes schaffen. Ob er allerdings gewollt hätte, dass die Gäste mit Bergen von Pommes, Cola und enorm großen Burgern abgespeist werden, wage ich zu bezweifeln. Die Angestellten des Hauses scheinen diesem Fraß ebenfalls zugetan, jedenfalls lassen ihre elefantösen Figuren darauf schließen.

Wie war ich da hingeraten? Irgendwo hatte ich gelesen, dass ein Mann nach Meinung der Hopi-Indianer mit 50 Jahren erwachsen wird. Damals war ich 48. Das ist ja irre, dachte ich, da gibt es noch eine Kultur, die mein Tempo kennt! Also schwor ich mir, meinen 50. Geburtstag bei ihnen im Reservat zu verbringen. Mir war schon klar, wie das mit dem Erwachsenwerden gemeint war. Mit 50, so die Hopis, musst du endgültig verstanden haben, was Liebe und Verantwortung wirklich bedeuten. Ich fand es überaus gnädig, dass sie uns eine so lange Strecke als Jüngling gewähren, auf der wir in einer Melange aus jugendlichem Übermut, Arroganz und Eitelkeit doch jede Menge Fehler und Missverständnisse kreieren — insbesondere im Umgang mit Frauen. Von Frauen sprechen die Hopis diesbezüglich übrigens nicht. Frauen sind für sie schon im Mädchenalter herzens-gebildet.

Der Entschluss, meinen Fünfzigsten bei ihnen im Reservat zu verbringen, fühlte sich gut an. Die nächsten zwei Jahre wuchs die Vorfreude auf den Besuch in mir sukzessive heran. Ich nahm mir drei Dinge vor für die Zeit meines Aufenthalts: Als erstes würde ich mich an meinem Geburtstag auf einen der drei Tafelberge (Mesas) setzen und die Wüste betrachten,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: