Versöhnlicher Quertreiber

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04-11-20 01:32:00,

Alle Bürger dieses Landes sind durch die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung unmittelbar betroffen, ob es sich um alltägliche Maßnahmen wie das Abstandhalten und das Maskentragen handelt — oder ob der Lockdown die eigene Existenzgrundlage bedroht. Und man darf sich nicht täuschen: Die Menschen, deren Einkommen durch den Lockdown gefährdet ist, stellen eine Mehrheit in Deutschland dar. Sie sind der Mittelstand, sie sind diejenigen, die unsere Innenstädte attraktiv machen: die Gastronomen, die Betreiber von Geschäften, von Bäckereien, von Fitnessstudios, von Kinos, Theatern und und und. An diesen Orten findet Begegnung statt, diese Orte prägen den öffentlichen Raum. Ihre Betreiber leisten somit auch einen Dienst an der Gesellschaft.

Und sie alle ächzten schon im Frühjahr angesichts des ersten Lockdowns. Sie alle mussten, obwohl sie in den vergangenen Wochen herbe Verluste zu verbuchen hatten, für den Sommer investieren: in Desinfektionsmittel, in Plexiglastrennwände, in die Umgestaltung der Ladenfläche, denn es mussten schließlich Abstände gewahrt werden. Das alles war nicht billig; für viele bedeutete es, an die privaten Ersparnisse zu gehen. Finanzielle Hilfen durch den Staat, die verlässlich gewesen wären und nicht hätten zurückgezahlt werden müssen, waren die Ausnahme in all diesen Branchen.

Viele der Menschen, deren Lebenswerk in dieser Form durch den Lockdown bedroht war, kenne ich persönlich. Sie alle waren überzeugt:

„Nein, einen zweiten Lockdown wird es nicht geben. Dann wäre ich, wären wir alle ruiniert — und das weiß die Regierung. Das können sie nicht machen.“

Aber der zweite Lockdown kam dennoch. Obwohl es zuvor immer wieder vonseiten der Regierung, der Ministerpräsidenten und der Kommunen hieß, er müsse mit allen Mitteln verhindert werden. Obwohl beteuert wurde, man hätte aus dem ersten Lockdown gelernt. Und obwohl uns allen bewusst war, dass diese Maßnahme das Aus für viele Unternehmer, Selbstständige, Freischaffende und Künstler bedeuten würde. Während der Mittelstand pleitegeht und aus den Innenstädten verschwindet, profitieren global agierende Konzerne wie Amazon enorm während eines Lockdowns. Das hat sich bereits im Frühjahr gezeigt, und das wird sich nunmehr wiederholen.

Eine Branche, die besonders von diesem Lockdown betroffen ist, sind Künstler und Kulturschaffende. Die meisten von ihnen leben ohnehin prekär, quasi von der Hand in den Mund — auch ohne Lockdown. Doch jetzt, wo die Theater geschlossen, Veranstaltungen verboten, Termine abgesagt sind, jetzt, wo man nicht mal eben einen Nebenjob in der Gastronomie ergattern kann, der es genauso geht,

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