Der Blick von links

der-blick-von-links

05-11-20 11:37:00,

Ein wichtiges und diskussionswürdiges Buch zur Corona-Krise hat der belgische Publizist Peter Mertens geschrieben. Es ist wichtig, weil es deutlich auf die sozialen Probleme und Folgen der Corona-Krise aufmerksam macht, die bestehende Ungleichheiten vergrößert. Das Buch ist diskussionswürdig, weil der Autor darin das Virus Sars-Cov-2 und die von ihm laut Weltgesundheitsorganisation WHO ausgelöste Krankheit Covid-19 als so gefährlich behandelt wie es herrschende Politik und etablierte Medien darstellen.

Beide Eigenschaften des Buches sind wenig überraschend angesichts der Tatsache, dass Mertens nicht nur Sozialwissenschaftler und Publizist ist, sondern auch Vorsitzender der linken Partei der Arbeit von Belgien (PTB-PVDA). Immerhin äußert sich damit ein linker, marxistisch orientierter Politiker zu grundsätzlichen Fragen der Corona-Krise, was derzeit eher selten ist. Linke Kräfte scheinen selbst so von der Angst- und Panikmache durch die regierenden Kräften paralysiert, dass von ihnen kaum etwas zu vernehmen ist, was den Anschein von grundsätzlicher Kritik hat.

Mertens widmet sich relativ ausführlich der Situation der „Helden“ der Krise, also jenen Menschen, die im Gesundheitswesen und in den Dienstleistungsbereichen das grundlegende gesellschaftliche Leben trotz Shutdown beziehungsweise Lockdown aufrecht erhalten. Der Titel seines im Verlag am Park auf Deutsch erschienenen Buches macht bereits auf sie aufmerksam: „Uns haben sie vergessen — Die werktätige Klasse, die Pflege und die Krise, die kommt“. Darin beschreibt er unter anderem die Lage des Pflegepersonals in Belgien und anderen Ländern, die schon vor der Krise katastrophal war.

„Es brodelt schon lange in der Pflege, und dieses kleine Virus bringt das Fass zum Überlaufen“, stellt Mertens fest.

„Jahrelang wurden die Pflegekosten als ‚Last‘ betrachtet. Laut der politisch korrekten Regeln musste gespart werden.“

Mertens gibt das vorherrschende Gefühl unter jenen wieder, die nun selbst von den für die Krise verantwortlichen Politikern aller Herren Länder als „Helden“ bezeichnet werden:

„Sie haben uns nie ernst genommen: Das ist das Gefühl, das überall existiert. In der gesamten werktätigen Klasse.“

Erst als mit der Corona-Krise die Angst vor dem Tod wieder die Gesellschaft ergriff, seien jene beachtet worden, die sich in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen um hilfsbedürftige Menschen kümmern, stellt der Autor fest.

Er weist zwar unter anderem auf die katastrophalen Zustände im Frühjahr in Norditalien und die dadurch entstandenen Bilder von Militärlastern mit Särgen in Bergamo hin. Doch leider ist das für Mertens eher ein Beispiel für die Gefährlichkeit des neuen Corona-Virus.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: