Die große Unfreiheit

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05-11-20 11:37:00,

Hamburg, 13.10.2020

Werter Herr Dr. Tschentscher,

mein Vater wurde 1934 in Kleinreußen (damals Ostpreußen) geboren. Sein Vater war in Kriegsgefangenschaft und mein Vater mit 10 Jahren zusammen mit seinen zwei Brüdern und seiner Mutter auf der Flucht vor den Russen. Meine Mutter wurde 1937 in Hannover geboren, ihr Vater ist im Krieg gefallen. Sie wurde mit ihrer Schwester und Mutter ausgebombt.

Meine Eltern leben nicht mehr und — ehrlich gesagt — denke ich manchmal, dass es gut so ist, denn das, was hier zur Zeit passiert, hätte sie gebrochen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Vater einen als Maske getarnten Maulkorb getragen hätte, weiß Gott nicht. Auch wenn wir unterschiedlicher nicht sein konnten, so einte uns doch das Gefühl für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Mein Vater hatte die CDU gewählt, meine Mutter wohl, wenn sie hätte frei wählen können, die SPD. Ich stand zwischen Grün und Rot.

Joschka Fischer mit seinen Turnschuhen war meinem Vater ein Dorn im Auge, ebenso der Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi, der seiner Meinung nach nicht hart genug gegen die Besetzer der Hafenstraße vorging. Die Mutter von Klaus von Dohnanyi war übrigens eine Schwester des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Und Widerstand ist ein Thema, das auch die beiden ersten Hamburger Bürgermeister der Nachkriegszeit, Max Brauer und Paul Nevermann, eint. Schulen, Plätze und Straßen wurden nach ihnen benannt.

Was, werter Herr Dr. Tschentscher, wird einst nach Ihnen benannt werden? Was wird einst in Ihrer laudatio funebris stehen? Wem oder was folgen Sie?

Ein Hamburger kniet vor niemanden, auch nicht vor der Kirche! Was für ein Ausspruch und wie bezeichnend für die Kaufmannsleute der Freien- und Hansestadt Hamburg. Nun hat es den Anschein, als ob doch ein Kotau vollzogen wurde. Vor Helmut Kohls einstigem „Mädel“, der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Von Freiheit ist in Hamburg nicht mehr viel die Rede und was vor März 2020 noch als blühende Handels-, Wirtschafts-, Kunst-, und Kulturmetropole gegolten hat, liegt nun unter einem dichten Maskennebel — einem Nebel der Unterdrückung, des inszenierten Schreckens.

Werter Herr Dr. Tschentscher,

wenn man Sie googelt, landet man auf Ihrer Internetseite. Da steht unter anderem Folgendes:

Meine Ziele

  • Bezahlbare Mieten
  • Mobilität für alle
  • Wachsende Wirtschaft — wachsende Löhne
  • Schule und Bildung
  • Klima- und Umweltschutz
  • Digitalisierung
  • Soziales Hamburg

All diese Ziele werden zur Zeit von Ihnen nicht eingehalten und es wird schwer,

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